Eva hatte den kleinen Gästen noch ein paar feine, bunte Briefböglein gebracht und sie ermahnt: „Vergeßt nicht, an die Mutter zu schreiben!“ Dann war sie gegangen, und die Buben blieben allein.
Es war sehr still in der Wohnung. Die Küche war im Kellergeschoß, von da drang kein Lärm herauf, Frau von Ringewald ruhte um diese Zeit, und Eva saß in ihrem Zimmer und las. Sie wollte ab und zu nach den Gästen sehen, aber das Buch, in dem sie las, fesselte sie mehr und mehr, und sie vergaß die beiden vollständig. Die fühlten sich auch ganz behaglich in ihrer Einsamkeit. Sie räumten erst wieder einmal den Spielschrank aus und wollten gerade ein Spiel beginnen, als Mathes mahnte: „Erst das Briefle.“
Arg viel Lust hatte Peter nicht dazu, er folgte aber dem Bruder, und als er die hübschen Bogen sah, erschien ihm das Schreiben ganz kurzweilig. „Weißt was,“ sagte er, „wir schreiben zusammen, du ein Sätzle, ich ein Sätzle!“
„Fein,“ erwiderte Mathes, „fang an!“
„Noi, fang du an, du bist älter!“
„Du hast’s gesagt.“
Ein paar Minuten stritten sie miteinander, dann kamen sie auf den Gedanken, der sollte anfangen, der über beide Betten hinwegspringen könne. Die standen dicht zusammen, und das Kunststück schien leicht, aber es mißlang beiden, und erst kollerte sich Mathes, dann Peter in den Betten herum. Ein Weilchen machte ihnen das den größten Spaß, dann mahnte Mathes wieder: „Das Briefle dürfen wir net vergessen.“ Er hatte es nämlich der Mutter daheim fest und heilig versprochen, er würde schreiben.
„Fang an!“ rief Peter.
„Noi, fang du an!“
Wieder stritten sie, bis sie den Ausweg fanden, sich anzusehen; wer zuerst lachte, sollte anfangen. Kaum aber sah einer dem andern in die blitzblanken Schelmenaugen, da lachten beide los, als sollten sie platzen. Sie lachten und lachten, bis sie ganz atemlos waren, und dann stritten sie noch kichernd miteinander: „Du hast zuerst gelacht!“