„Noi, du!“

„Du!“

„Du du du!“

Schließlich fiel Mathes eines der vielen Sprichwörter ein, die Frau Tippelmann daheim in der Löwengasse zu sagen pflegt, und er rief stolz: „Der Klügere gibt nach. Ich fang’ an.“

„Noi, ich fang’ an!“ Peter wollte nun doch der Klügere sein.

„Ich hab’s zuerst gesagt.“

„Wir wollen losen!“

Diesen Ausweg schlug in strittigen Fällen immer Schwester Gundel zu Hause vor, und darum ging auch Mathes auf Peters Vorschlag ein. Sie nahmen also flink zwei Papierstreifen, einen langen und einen kurzen, falteten die zusammen, und Peter warf beide in die Luft, jeder sollte einen fangen. Die Lose ließen sich jedoch nicht fangen, die verkrochen sich höchst verschmitzt, und ein paar Minuten rutschten die Buben nach ihnen im Zimmer herum. Ein Stuhl fiel dabei um, der Handtuchständer begann zu tanzen, bis endlich Mathes ein Los fand und gleich darauf Peter das andere in der Waschschüssel entdeckte. Da gab es keinen Streit mehr, Mathes mußte anfangen, und er malte eifrig auf den schönsten rosafarbenen Bogen: „Liebe Mutter!“ „Wir sind hier,“ schrieb Peter darunter, und Mathes fügte hinzu: „Die Reise war fein.“

„Es geht uns immer gut.“ Peter seufzte über das lange Sätzle, und Mathes, der schon ganz schwarze Klecksfinger hatte, schalt ihn faul und schrieb: „Wir haben uns schon färlaufen.“

„Das erzähl ich,“ schrie Peter und riß dem Bruder die Feder aus der Hand. Die spritzte zornig die Tinte weit über den weißen Tisch, und das rosa Böglein bekam auch ein paar Flecke. Ohne solche ging es bei den Sternbübles auch selten ab, beide grämten sich daher nicht weiter darum, und Peter schlug vor: „Wir machen Küßle draus.“ Da er die Feder hatte, schrieb er auch gleich: „Die Klecksle sollen net Klecksle sein, sie sind Küßle.“