Puuh! Peter tat einen Seufzer. War das ein langer Satz gewesen! Mathes kaute nachdenklich an der Feder. Was sollte er noch schreiben? Wenn etwas von Küssen dastand, war doch ein Brief eigentlich fertig. Also schrieb er flink: „Fiele Grüße, und heute hat’s Schokklatenbuhding gegeben. Dein lieber Sohn Mathes.“
„Fein!“ rief Peter und malte noch seinen Namen darunter.
Das Briefschreiben erschien ihnen aber ganz spaßhaft, und da es auch noch ein himmelblaues Böglein gab, beschlossen sie, auf diese Weise auch noch an Gundel zu schreiben. Sie taten es, wurden sehr flink fertig, und kein Mensch konnte den Brief lang und ausführlich nennen. Mühsam zu lesen war er nicht. Drei Zeilen, fertig! Sie hatten schon ihre Namen darunter gemalt, als Mathes noch etwas einfiel. „Das muß ich schreiben,“ schrie er, „du darfst es aber net sehen.“
„Doch,“ beharrte Peter, „ich muß es sehen.“
„Erst nachher, halt die Augen zu,“ gebot Mathes, „es wird fein.“
Peter hielt sich wirklich die Augen zu, er blinzelte zwar zwischen den Fingern hindurch, er konnte aber doch nicht sehen, was der Bruder schrieb, bis der ihm seine fertige Schrift vor die Nase hielt. Da stand: „Die Huhldah hier ist ein äklicher Affe!“
Peter quiekte vor Vergnügen. Das war fein! Gundel mußte das wissen, und grob fand er es auch nicht, denn im Silbernen Stern brauchte ihr guter Freund, der Hausknecht, oftmals solche nette Worte.
„Wir stecken’s schnell ein, das darf niemand lesen.“ Er begann die Umschläge zu suchen. Fräulein Eva hatte sie doch mitgebracht; aber so viel sie auch suchten, die waren auf einmal verschwunden. Über dem Suchen kamen sie auch wieder an den Spielschrank, und über den Herrlichkeiten darin vergaßen sie ihre Briefe. Sie begannen zu spielen, spielten und spielten. Die Zeit verging, und die Kaffeestunde nahte. Eva kam selbst, die kleinen Gäste zu rufen, und als sie die Tintenklecksfinger sah, schalt sie: „Aber pfui, nun flink, wascht euch!“
Sie klingelte nach warmem Wasser, das Hulda selbst herbeibrachte, und während Eva half, mit der Bürste die schwarzen Finger zu reinigen, sah sich Hulda streng im Zimmer um. So eine Unordnung! Die Betten zerwühlt, das Spielzeug verstreut, ein Stuhl lag am Boden, und sie sagte: „Fräulein Eva, sehen Sie nur, wie die’s treiben!“
Eva von Ringewald seufzte. Ja, schön sah es nicht aus, aber schelten mochte sie auch nicht wieder, sie dachte: Ich hätte nachsehen müssen.