Mathes und Peter am Waschtisch wurde die Sache unheimlich. Huldas Umherschauen war doch recht ungemütlich. Wenn die nun die Briefe erblickte! Da rief Hulda schon: „Nä, und der gute weiße Tisch, so viele Kleckse. Wie kann man die nur alle machen!“

Dumme Frage, dachten Mathes und Peter ungefähr, Kleckse macht man doch nicht, die kommen von selbst!

Wenn Fräulein Eva sie nur freigelassen hätte. Aber die scheuerte mal an der, mal an jener Hand herum, und geradezu ausreißen ging doch nicht.

Mathes seufzte und Peter seufzte, und da rief Hulda vom Tisch her: „Jemine, die haben wirklich Briefe geschrieben!“

„Net lesen!“ schrie Mathes erschrocken, und Hulda sagte: „I wo, so was tut man doch nicht!“

Dabei war nun aber Hulda ein etwas neugieriges Frauenzimmerchen. Sie legte den rosa Brief auf den blauen und den blauen wieder auf den rosa, tat, als ob sie den Tisch abwischen wollte, und schielte doch immer zu den Briefen hin.

„Net lesen,“ schrie da auch Peter. Seine Stimme klang so ängstlich, daß Fräulein Eva und Hulda beide aufhorchten und beide sagten: „Was steht denn so Geheimnisvolles drin?“

„Ich leg’ die Wische nur zusammen,“ brummelte Hulda, aber sie hielt dabei doch den himmelblauen Brief merkwürdig lange in der Hand, und plötzlich riß Mathes seine Hände aus der Waschschlüssel und rannte durch das Zimmer, um Hulda den blauen Brief zu entreißen.

Doch das Unglück war schon geschehen.

Hulda hatte das Wort über sich schon gelesen. Sie wurde puterrot, warf den Brief auf den Tisch und kreischte zornig: „Mit den Bengels, Fräulein Eva, will ich nichts mehr zu tun haben, die sind zu frech! Ekliger Affe nennen se mich, und noch nich mal richtig meinen Namen können se schreiben. So was, jemine, in meinem ganzen Leben hat mich noch niemals nich jemand so geschimpft!“