„Ja, und ’n Herzog und furchtbar viele Grafen,“ fügte Peter hinzu.
Ein König, ein Herzog und Grafen! Die Mädel hörten auf zu weinen, sie sahen ihre Nachbarn halb eifersüchtig, halb mißtrauisch an. „Wirklich?“ fragten sie.
„Wir lügen doch net!“ Mathes warf ganz hochmütig den Kopf zurück, er fühlte, er mußte den Silbernen Stern ordentlich herausstreichen. „Fein ist’s bei uns,“ lobte er, „viele, viele Stuben haben wir, und in einer steht ein Bett mit goldenen Engeles drauf, da hat der König drin geschlafen.“
„Ja, und in unserm Gärtle gibt es viele, viele Beeren und Kirschen und Birnen,“ rühmte Peter.
Der Silberne Stern, der so viele Köstlichkeiten barg, stieg in der Achtung der beiden Mädel. Sie dachten an die großen Prunkhotels, die sie kannten, und sie zupften an ihren Haarschleifen herum und gaben das Weinen auf; mit den Buben da drüben ließ es sich vielleicht doch unterhalten. Noch zögerten sie, dann kamen sie ein paar Schritte näher, und die Braune sagte halb verlegen, halb herablassend: „Erzählt doch mal, wie ist’s denn bei euch?“
„Na, fein!“ Mathes und Peter, die sich doch ob der Haarrauferei ein wenig schuldig fühlten, begannen zu erzählen. Und wunderbar war das, das Heimathaus und die Löwengasse bekamen goldenen Glanz in der Erinnerung. Das kleine Gäßle schien ihnen viel länger und breiter als die Straße, in der sie jetzt wohnten, der Sterngarten, der eigentlich nicht groß war, wuchs und wuchs und wuchs zehnmal größer als all die grünen Winkel, die da von Häusern umschlossen lagen. Na, und der Silberne Stern erst! Kein Palast konnte schöner sein. Und die Freunde auf der Gasse, die Spiele, die sie miteinander spielten, ganz wundersam war alles.
Den Mädeln klang es wie ein Märchen. Und dieses Märchen lockte und lockte; sie vergaßen, daß die Buben sie gerauft hatten, sie standen plötzlich wieder am Gitter, und als Peter beschrieb, wie wundervoll es wäre, Räuber und Prinzessin zu spielen, rief die Braune: „Wir können’s ja mal zusammen spielen!“
Aber da war das Gitter dazwischen, das böse Gitter!
„Lauft auf die Straße; um die Ecke herum wohnen wir, da kommt ihr durch das Haus zu uns,“ riet die Blonde.
„Wir dürfen net auf die Straße.“ Der Vorschlag lockte, aber Mathes und Peter fanden es doch etwas bedenklich. „Wir klettern über das Gitter,“ schlugen sie vor.