„Ich auch!“ Und beide Buben schmiegten sich ganz fest an Hulda an, die wieder in schmerzliches Weinen ausbrach. „Ihr seid gute Jungen,“ murmelte sie. „Ist schon recht, daß ihr gekommen seid. Ich mag euch auch gut leiden, ganz gewiß.“

„Wir dich auch,“ schrieen die Buben.

Und so wurde die Freundschaft unter Tränen besiegelt, und als die Buben ein Weilchen später wieder nach oben kamen, antworteten sie stolz auf Fräulein Evas Frage, wo sie gewesen wären: „Bei Hulda.“

„Da war’s fein!“ rief Peter, und Mathes nickte bedächtig dazu: „Sie sagt, nun wären wir befreundet.“

Achtes Kapitel.
Auf der Messe.

Hulda zeigte ihre neue Freundschaft für die Sternbuben gleich an diesem Nachmittag. Sie erbot sich nämlich, mit den beiden auf die Messe zu gehen, und Eva, die gern bei der Mutter bleiben wollte, war sehr froh darüber. Hulda versprach, die Buben wie ihre Augäpfel zu hüten, stellte ihnen alle Wunder der Messe in Aussicht und sagte: „Die werden Augen machen! Aber auf die Luftschaukel dürfen sie nich. Denn da fallen sie mir gar kopskegel in meinen Marktkorb und brechen jeder noch drei Arme und sechs Beine.“

Wie die Buben so viele Gliedmaßen brechen sollten, sagte Hulda nicht dazu. Eva lachte, Mathes und Peter lachten, und dann trabten sie auf ihren zwei Beinen sehr vergnügt mit ihrer neuen Freundin davon. Natürlich fuhr ihnen wieder die elektrische Bahn an der Nase vorbei, aber Hulda sagte: „Warten ist gesund.“ Also warteten sie, denn die Messe lief ja auch nicht gleich weg nach Huldas Ansicht.

Von der Messe selbst hatten die Sternbuben keine rechte Vorstellung. Sie wußten nicht, daß seit Jahrhunderten die Leipziger Messen Weltruf haben, und daß neben vielen, vielen Kaufleuten aus aller Herren Ländern auch viele lustige, fröhliche Leute zur Messe kommen, um ihre Künste zu zeigen. Dort, wo einst die Straße nach Frankfurt am Main führte, wo nach der großen Völkerschlacht Napoleon mit seinem geschlagenen Heer flüchtend dahinzog, befindet sich jetzt der große Marktplatz. Hulda hatte gesagt: „Es ist wie ein großer Jahrmarkt,“ und Mathes und Peter dachten daher an den Breitenwerter Jahrmarkt, den sie für sehr groß und bedeutend hielten. Als sie aber auf dem Meßplatz anlangten, da wünschten sie sich zwar nicht sechs Beine, doch sechs Augen, um alles recht zu sehen, was es zu sehen gab.

Potztausend ja! Was war der Breitenwerter Jahrmarkt mit seinen fünf Buden und einem Karussell gegen die Messe von Leipzig! Wie eine kleine Stadt war die mit langen Budenstraßen. Und in den Buden schimmerte es in allen Farben, es glänzte und gleißte darin, und wenn einer nur Geld im Beutel hatte, der konnte mehr kaufen, als er heimzutragen vermochte. Da gab es Spielzeug und Musikinstrumente, Spitzen und Bänder, Seidenstoffe und Blecheimer, Töpfe, Tassen, Teller, Gläser und Pfefferkuchen, Schuhe, Schürzen, Bücher, Bilder und Holzsachen, Schmucksachen und lustige Schnurrpfeifereien. Dazu waren die Leute alle sehr freundlich, Hulda wurde immer Madamchen genannt, und Mathes und Peter brauchten nur etwas anzusehen, gleich fragte jemand: „Na, junger Herr, was ist gefällig?“

„Ihr dürft auch nachher was kaufen; eine Mark für jeden hat mir Fräulein Eva geschenkt,“ sagte Hulda. „Aber erst überlegen, denn sonst kommt ’n Unsinn raus. Nu gehen wir erst zur Schaumesse.“