Sie blickte nach rechts, schaute nach links, da sah sie ein paar Schritte weit Mathes mit weit offenen Augen vor einer Bude stehen, vor der ein Mann in scharlachrotem Anzug stand, der immer brüllte: „Hier gibt’s das größte Wunder der Welt zu sehen, das allergrrrrößte!“ Hulda packte Mathes und zog ihn mit fort. „Nun komm endlich! Herrje, wo ist denn Peter?“

Da war Peter wieder verschwunden! Diesmal half kein Rechts- und Linkssehen, und es blieb Hulda nichts weiter übrig, als laut des Vermißten Namen zu rufen: „Peter, Peter!“

„Peter, Peter!“ riefen gleich ein paar andere Leute mit.

„Peter!“ gröhlte ein langer Bengel, „Peter!“ quiekte ein stubsnäsiges Fräulein von einer Schaubude herab, und da kam Peter, atemlos und froh, Hulda und Mathes wiederzusehen. Er war gestoßen worden, weggedrängt, er wußte kaum wie, und Hulda, froh, ihn wieder zu haben, rief etwas überlaut: „Na endlich, nu gehen wir aber nach Hause!“

„Is recht, die Kleenen müssen ins Bette!“ schrie der lange Bengel, der vorher laut nach Peter gerufen hatte. „Das sind ja noch Wickelkinder, und man ’n Schnuller nich vergessen!“

So eine Beleidigung!

Mathes und Peter vergaßen Messe, Lichterglanz, fremde Menschen, die große Stadt, Hulda und alles; sie taten, als wären sie daheim in Breitenwert auf der Löwengasse, wo sie sich auch nicht Hohn und Spott gefallen ließen. Ehe der fremde Junge noch wußte, wie ihm geschah, rannten die beiden wütend gegen ihn an und puff, platsch! sausten die kleinen, derben Bubenfäuste auf ihn nieder.

Eine Prügelei auf dem Meßplatz!

Hulda schrie laut und versuchte ihre Schützlinge fortzuziehen. Neben dem großen Jungen aber erschienen plötzlich drei, vier andere, die sich drohend gegen die Sternbübles wandten, und die hätten beinahe recht tüchtige Haue bekommen, wenn nicht irgend jemand sie gepackt und fortgezogen hätte. Ganz rasch ging das; eins, zwei, drei! Da standen sie auf einmal im Winkel am Kasperletheater, Hulda kam angelaufen, und in der Ferne verschwand ein buntgekleideter Mann.

„Der Zigeuner,“ sagte Mathes, als er wieder zu Atem kam.