„Jemine, was ihr mir für ’n Schreck eingejagt habt!“ Hulda sah sich nach dem Retter um, doch der war im Gewühle verschwunden, und sie nahm nun die Buben fest an den Händen und eilte im Sturmschritt mit ihnen dem Ausgang zu. Stehenbleiben litt sie nicht mehr, aber dann blieb sie auf einmal selbst wie erstarrt stehen, als Peter fragte: „Wo hast du denn die Töpfe?“
Ja, wo waren die!
„Im Affentheater hab’ ich sie vergessen, du meine Güte!“ jammerte Hulda. „Den ganzen Korb hab’ ich stehen lassen!“
Es half nichts, sie mußten noch einmal zurück. Wieder ging’s in Hast und Eile über den Platz, wieder drehten die Buben die Köpfe wie die Wetterfahnen dahin und dorthin, und immer heller, strahlender schienen ihnen die Lichter zu glänzen, und auch das Affentheater, das sie bald erreichten, erschien ihnen größer, prunkvoller als beim Tageslicht. Wie gut, daß sie wieder hinein mußten, den Korb zu holen; den hatte Hulda nämlich neben ihrem Platz stehen lassen. Die seufzte schwer: „Nun muß ich gar noch Eintritt bezahlen,“ sagte sie, „und dann müssen wir das Geld absitzen. Jemine, wann werden wir nach Hause kommen!“
Mathes und Peter sahen gar nicht so betrübt aus wie Hulda. Der Gedanke, noch einmal ins Affentheater gehen zu müssen, machte ihnen den größten Spaß. Doch die Geschichte kam anders. Neben der Kasse stand groß und breit Huldas Korb, und der Mann, der die Karten verkaufte, sagte freundlich: „Freilein, da ist er. Na, Ihnen hat’s gut gefallen bei uns, wenn Sie sogar den Korb vergessen haben.“
Da war es nichts mit dem Hineingehen. Hulda dankte sehr, versprach das Wiederkommen beim nächsten Mal, und dann gebot sie: „Jetzt faßt ihr mich unter und nu flink, sonst schickt Fräulein Eva noch auf die Polizei nach uns und weint so sehr wie gestern!“
Wieder ging’s im Sturmschritt über den Platz der Haltestelle der elektrischen Bahn zu. Die drei stiegen ein, und erst als sie drin saßen, merkten die Buben, daß sie eigentlich rechtschaffen müde waren. Sie lehnten sich etwas an Hulda an, blinkerten mit den Augen, und wenn ihnen ihre Beschützerin nicht dann und wann einen kleinen Stoß gegeben hätte, wären sie vielleicht eingeschlafen.
Daheim empfing Fräulein Eva wirklich schon etwas besorgt alle drei. „Endlich!“ rief sie. „Es ist schon so spät!“
Aus dem Erzählen wurde an diesem Abend nicht mehr viel. Frau von Ringewald war eingeschlafen, und alles sollte still im Hause sein, um den leisen Schlaf der Kranken nicht zu stören. Mathes und Peter durften in ihrem Zimmer Abendbrot essen, und dann half ihnen Hulda den Weg ins Bett finden, wie sie sagte. Wenn einer so müde ist und beinahe über seine eigenen Beine fällt, ist das nicht so leicht, und den Bübles ging es an diesem Abend so.
Peter schlief ein, ehe er noch drin lag; Mathes aber hielt noch die Augen offen, und als Hulda zur Türe hinausging, rief er ihr nach: „Hulda, der Zigeuner sieht aus wie —“