„Denk’ jetzt mal nicht an den schwarzen Kerl,“ unterbrach ihn Hulda, „sonst träumste von ihm und schreist in der Nacht. Denk’ lieber ans Karussell, so ’n bißchen rundum fahren im Traum schadet nichts.“

Die Tür klappte, Hulda war hinausgegangen. Mathes steckte den Kopf in die Kissen und brummte noch: „Und er sieht doch so aus!“ Dann schlief er auch ein.

Neuntes Kapitel.
Noch einmal die Messe.

Nichts störte den Schlaf der Sternbuben in dieser Nacht. Sie träumten von der Messe und dem Zigeuner, von der Heimat, dem Affentheater und von sonst noch allerlei. Alles hopste im Traum kunterbunt durcheinander, und einmal murmelte Peter halblaut: „Die Schule fängt an, es klingelt schon.“

Mathes hörte nicht darauf. Der saß gerade im Traum auf einem Tiger und ritt auf dem die Löwengasse entlang; sollte er da vielleicht von seinem wunderbaren Reitpferd absteigen um der Schulklingel willen? Es waren doch Ferien, also blieb er sitzen, ritt im Traumland herum und fand es sehr sonderbar, daß plötzlich jemand immer seinen Namen rief. Endlich wurde ihm das Rufen zu bunt, er klappte die Augen auf, bums! fiel die Türe vom Traumland zu, und er sah nun Hulda am Bett stehen und sah den lichten Tag ins Zimmer scheinen.

„Nä, ihr seid ein paar gesegnete Faulpelze!“ rief Hulda. „Sechsmal habe ich nun schon gerufen, und der Peter da ist noch immer nicht wach.“

„Uahuah!“ Peter gähnte, er reckte und streckte sich, und dann erkannte er auch Hulda und merkte, es war Tag.

Und was für ein Tag! Es gab einen tiefblauen Himmel und eine goldene Sonne, als wären noch die Hundstage. Aber zu einem Spaziergang kam es auch an diesem Vormittag nicht. Frau von Ringewald war kränker geworden, und was Peter in der Nacht für die Schulklingel gehalten hatte, war die Glocke gewesen, um Hulda herbeizurufen. Die hatte mit Eva ein paar Stunden gewacht, und obgleich die Mutter nun schlief, hatte keine von ihnen Lust, den Buben die Stadt zu zeigen. Doch denen war auch das Gärtchen recht. Über der Messe hatten sie Herta und Irene völlig vergessen, nun fielen ihnen die neuen Freundinnen wieder ein, und sie rannten nach dem Frühstück vergnügt in den Garten, um beide zu sehen.

Erst waren diese nicht da, aber lange brauchten die Sternbuben nicht auf die Nachbarinnen zu warten. Fein und zierlich angetan kamen die bald durch den Garten. Sie hatten heute Hüte auf und Handschuhe an und erzählten, sie würden spaziergehen. Herta nickte den Buben sehr herablassend zu und sagte gnädig wie eine Prinzessin: „Ihr dürft mitkommen. Geht nur hinein und fragt; wir warten auf der Straße auf euch.“

Da waren die Buben flink dabei. Der helle Tag voll Sonne lockte, und sie rannten schnell in das Haus zurück und brachten drinnen ihr Anliegen vor. Fräulein Eva sagte aber nicht so schnell ja, wie daheim die Mutter in solchen Fällen es tat; die machte ein gar bedenkliches Gesicht, redete etwas von Verlaufen, aber Hulda sagte: „Ach, mit den beiden Zierpuppen von drüben können sie schon gehen, die sind wie Damen und machen sicher keine dummen Streiche.“