Den Buben war es, als fiele ihnen ein kleiner Mühlstein vom Herzen, und sie kletterten vergnügt die Treppe wieder empor, zogen sich eilfertig an, und wenige Minuten später wanderten sie mit Fräulein Eva der elektrischen Bahn zu. „Ihr dürft aber nicht einen Schritt auf der Straße von mir fort gehen; versprecht ihr das?“ fragte die junge Tante.

„Ja!“ brüllte Mathes, und Peter antwortete ganz feierlich: „Net ein Schrittle lauf’ ich fort.“

Es dämmerte schon, und auf den Straßen und in den Läden wurden bereits die Lichter angezündet. Wenn man nun in Breitenwert abends durch das Löwengäßle ging, glänzten auch Lichter; in jedem Haus gab es zwei, drei helle Fenster, der Kaufmann Häferlein hatte seinen Laden erleuchtet, und in der Lindenapotheke brannte Licht. Aber was war das alles gegen das Lichtmeer der großen Stadt! Licht glänzte neben Licht. In manchen Häusern gab es kein dunkles Fenster, und in den Läden blitzte und schimmerte es noch viel heller und verlockender als draußen auf der Messe. Vor einem Riesenhaus, das viele Schaufenster hatte, und das von unten bis oben erleuchtet war, blieb Fräulein Eva stehen. „Es ist ein Warenhaus,“ sagte sie, „kommt, wir gehen hinein.“

Drinnen hätten die Buben vor Erstaunen nun wirklich einen Hopser gemacht; sie wußten nicht, wohin zuerst sehen, so viel gab es anzuschauen. Es war wie ein riesengroßer Laden, und doch waren es eigentlich viele, viele kleine Läden nebeneinander, nur gab es keine Mauern dazwischen. Und hoch war das Haus, bis zur Decke konnte man sehen. Aber Treppen schienen gar nicht da zu sein, denn Eva sagte: „Jetzt fahren wir hinauf,“ und sie schob die Buben geschwinde in eine Kammer, ein Mann schloß die Türe, es wackelte ein bißchen, und dann machte der Mann wieder die Türe auf und sagte: „Zweiter Stock.“

Und wieder lagen hier unzählige Dinge ausgebreitet, manches lockte zum Kauf, und vor einem Stand mit bunten Krügen, Vasen und ähnlichen Dingen tat Mathes plötzlich einen tiefen Seufzer und klagte: „Mein Geld!“

„Uuh!“ ächzte Peter, der nun auch an diesen schweren Verlust dachte, und er tippte mit seinem Finger an ein buntes Porzellanpüppchen: „Das würd’ Gundel freuen!“

„Bitte, nichts anfassen!“ rief die Verkäuferin streng. „Die Figur kostet fünfunddreißig Mark.“

„O Gott,“ sagte jemand, „können die zwei dort ihre Münder aufreißen, schrecklich!“ Eine Dame ging vorüber und lächelte. Die Verkäuferin lächelte, und Eva wurde verlegen. „Kommt rasch weiter,“ sagte sie, „hier sind die Sachen zu teuer; für Gundel kauft ihr etwas auf der Messe.“

„Wir haben doch kein Geld mehr!“ Die Sternbuben redeten wie daheim in der Löwengasse; da fand kein Mensch etwas dabei, wenn sie mal ein bißchen brüllten, hier drehten sich aber gleich etliche Leute um, und die beiden erschraken selbst, wie laut ihre Klage geklungen hatte.

„Wenn ihr brav seid, schenke ich euch Geld, damit ihr Gundel etwas kaufen könnt,“ versprach Eva und zog die Buben weiter. Sie selbst kaufte einige Dinge, und Mathes und Peter wunderten sich sehr, daß sie erst sagte, dies will ich haben und das, und es nie mitnahm. Bezahlen tat sie auch nie, nur einen Zettel bekam sie, das war alles.