Peter war ein bißchen verlegen, denn er war wirklich auf- und abgefahren, mal im zweiten, mal im dritten Stockwerk ausgestiegen. „Hast dich wohl gefürchtet?“ fragte Eva linde.

„Noi!“ Peter sah sie strahlend an. „Erst war’s ’n bißchen komisch, aber dann war’s fein. Mathes, mach’s auch mal!“

„Ja!“ schrie Mathes begeistert, und schwuppdiwupp! war er im Fahrstuhl drin, und ehe Eva ihn halten konnte, klappte die Türe: hinauf ging es.

„Ihr seid ja schrecklich!“ rief Eva, nun wirklich erzürnt. „Ihr habt mir doch versprochen, nicht einen Schritt von mir fortzugehen, und nun haltet ihr nicht Wort.“

„Hier ist doch net ’s Gäßle!“ murmelte Peter bedrückt. „Und — und — er ist doch net fortgelaufen!“

„Nein, nur fortgefahren!“ Evas Ärger hatte sich schon gelegt. Zur Sicherheit hielt sie aber Peter fest an der Hand, der sollte ihr nicht wieder ausreißen. So lange wie auf ihn brauchte sie aber auf Mathes nicht zu warten. Dem war das Hinauffahren nicht so gut gelungen; oben hatte ihn der Führer erkannt und ihn einfach wieder mitgenommen. „Da ist der zweite,“ schrie er Eva zu. „Die Jungen müssen sie anbinden, Fräulein!“ Dabei gab er Mathes einen gelinden Stoß, Eva fing den Ausreißer auf, dankte dem Führer, und dann sagte sie: „Jetzt aber schnell heim. Und wehe euch, wenn ihr nur einen Schritt von mir fortgeht! Bitterbitterböse werde ich dann.“

Sie ging erst noch an die Zahlstelle, da bekam sie nun doch alle ihre Sachen, und mit Paketen beladen kehrten die drei, ein wenig spät zwar, doch noch zu rechter Zeit, heim. Sie fanden Frau von Ringewald noch in ihrem Lehnstuhl sitzen. Hulda saß neben ihr, sie sah verweint aus, aber doch ganz vergnügt, und als Eva von den Fahrten im Fahrstuhl erzählte, lachte sie sogar ein bißchen. „Nä, nä,“ rief sie, „früh auf der Luftschaukel, nachmittags im Fahrstuhl, das gibt bestimmt schlechte Träume. Eßt nur nich viel zum Abendbrot, die Fahrerei und ’n voller Magen, das gibt ’ne schlechte Nacht.“

Hulda meinte es gewiß gut mit ihrem Rat; trotzdem befolgten ihn die Buben nicht. Die vergaßen ihn schon nach einundeinerhalben Minute, und nachher ließen sie sich das Abendbrot besonders gut schmecken, und als sie in ihre Betten stiegen, dachten sie an keine bösen Träume. Und doch behielt Hulda recht. Peter schlief zwar wie ein Mehlsäcklein, Mathes dagegen träumte wunderliche Dinge. Mit dem größten Weltwunder zusammen fuhr er immerzu Karussell, und vielleicht wäre er noch bis zum Morgen gefahren, wenn nicht plötzlich der Zigeuner ihn vom Pferd herabgezogen hätte. Mathes bekam Angst, der Mann sah ihn so bitterböse an und schalt wie der Führer vom Fahrstuhl. Da dachte Mathes im Traum wie manchmal im Leben: Ausreißen ist gut, und riß aus.

Doch trapp trapp! lief der Zigeuner hinter ihm her.

Mathes lief zu Kasperle, der zog rasch seinen Vorhang zu, und plötzlich rief da der brummige Schaffner und schrie: „Zahlen! Wer kein Geld hat, darf nicht herein.“