Und da war der Zigeuner ganz nahe, und auf einmal sah er aus wie Herr Brummerjan. Mathes schrie, er rannte fort und der Zigeuner immer hinter ihm her; da war die Luftschaukel, und in seiner Angst kletterte Mathes an dem Gerüst empor, höher und höher und — plumps! da fiel er herunter.
Mathes rieb sich die Augen. Er war nun nicht mehr auf dem Meßplatz. Ganz verwundert sah er sich um. Das Zimmer war matt erhellt, denn draußen stand der Mond klar und rein am Himmel, und sein sanfter Schein füllte das Bubenstübchen. Auch brannte auf der Straße, gerade vor dem Fenster, noch eine Laterne und gab Licht. Mathes erkannte nach und nach seine Umgebung und merkte auch allmählich, daß er nicht in seinem Bett, sondern auf dem Fußboden lag. Nun war es für die Sternbuben etwas höchst Erstaunliches, wenn einer von ihnen einmal in der Nacht aufwachte. Darum besann sich Mathes auch lange, ob er nicht doch träumte. Erst als es ihm ein wenig kühl wurde, merkte er, daß er wirklich wach war.
„Peter!“ stöhnte er endlich, „Peter!“ Aber er konnte oft Peter rufen, der hörte ihn nicht. „Wach auf!“ schrie Mathes, aber Peter wachte eben nicht auf.
Schließlich gab Mathes das Rufen auf und schickte sich an, in sein Bett zu steigen. In diesem Augenblick wurden auf der Straße Schritte laut; trapp, trapp! ging es, genau so, wie vorhin das Laufen des Zigeuners geklungen hatte.
Trapp, trapp, trapp! In der nächtlichen Stille hallten die Schritte laut.
Mathes stand nun schon auf seinen Beinen. Furchtsam war er nicht, aber neugierig. Wer mochte da gehen? Geschwind lief er zum Fenster, schob die Vorhänge zurück und schaute hinaus.
Die Schritte verstummten plötzlich, ganz still war es nun.
Daheim im Silbernen Stern schliefen die Buben stets bei offenem Fenster, und Mathes dachte, dabei kann man doch besser hinaussehen. Er riegelte also das Fenster auf und sah hinaus. Die Straße lag ganz im weißen Licht des Mondes, dazu leuchtete die Laterne wie eine Lampe. Mathes sah niemand auf der Straße gehen, doch da —
Ein gellender Schrei durchhallte das Zimmer. Neben der Laterne stand ein Mann, und Mathes sah gerade — dem Zigeuner in das Gesicht.
Der Bube brüllte fürchterlich vor Schreck, und Peter, der nun doch wach wurde und den Bruder schreien hörte, schrie gleich mit. Davon konnte jemand schon munter werden.