Eva hörte das Geschrei. Hulda hörte es, und beide kamen fast zu gleicher Zeit angelaufen. Sie fanden Peter schreiend im Bette sitzen und Mathes auf einem Stuhl stehend; auf den war er in seiner Angst hinaufgeklettert. Es dauerte ein Weilchen, ehe die beiden Helferinnen erfahren konnten, was eigentlich geschehen war. Sie sahen das offene Fenster und blickten hinaus; still und friedsam lag die Straße im Mondlicht, kein Mensch war zu sehen.

„Sie haben geträumt; ich hab’s ja gesagt, von der vielen Fahrerei ist es ihnen duselig geworden,“ erklärte Hulda. „Geben Sie ihnen Zuckerwasser, Fräulein Eva, und dann rasch ins Bett. So was, bei nachtschlafender Zeit!“

Eva fand den Rat der alten Dienerin gut. Mathes und Peter erhielten jeder ein Glas Zuckerwasser. Mathes kletterte in sein Bett zurück, Hulda ließ zur Sicherheit noch die Rolläden herab, dann löschte sie das Licht, und einige Minuten später schliefen die Buben wieder fest.

Draußen sagte Hulda: „Sie haben geträumt.“

„Sicher!“ Eva nickte. „Es war zu viel, morgen dürfen sie nicht wieder auf die Messe,“ erklärte sie.

Aber als Mathes am Morgen beim Frühstück saß, da behauptete er: „Ich hab’ net geträumt, der Zigeuner ist auf dem Gäßle gestanden.“

Und dabei blieb er.

Elftes Kapitel.
Die vielen Bilder.

Offenbar dachte die Sonne auch an diesem Tag, weil die Breitenwerter Sternbübles nun doch einmal nach Leipzig gefahren sind, muß ich auch dort scheinen. Sie glänzte wieder frühlingsschön am blauen Himmel, und Mathes und Peter sahen nach dem Frühstück ein wenig betrübt auf die sonnige Straße hinab. Tante Eva hatte gesagt: „Heute früh wird daheimgeblieben; ihr mögt im Garten spielen. Allzuviel ist ungesund.“

Der kleine Garten lockte nicht sehr, und auf Herta und Irene waren die Buben noch böse, also schien ihnen der Vormittag ein bißchen langweilig. Aber Tanten, zumal wenn sie ein so weiches Herz haben wie Eva von Ringewald, sehen nicht gern betrübte Kindergesichter, und sie ändern dann wohl ihre Meinung.