„Nein, ich bin nicht böse.“ Eva beugte sich ein wenig vor und fragte neckend: „Ihr armen Schelme, es war wohl recht langweilig?“

„Noi, fein war’s!“ riefen beide, und Mathes fügte ehrlich hinzu: „Nur zu viel Bildles sind drin.“

Der Zoologische Garten wäre wohl besser gewesen, dachte Eva, und sie begann auf dem Heimweg von den Löwen, Bären, den Affen und vielerlei Tieren zu erzählen, die sie sich morgen zusammen ansehen wollten.

Da wurden die Buben blitzmunter, und die Fragen purzelten nur so heraus. Kaum hatte Mathes etwas gefragt, da tat Peter seinen Mund auf, und Eva hatte dem noch keine Antwort gegeben, da wollte schon Mathes wieder etwas wissen. Sie fragten noch, als Eva schon die Türe zur Wohnung aufschloß, und Hulda, die ihnen auf dem Flur entgegenkam, dachte nicht anders, als die Buben wären im Zoologischen Garten gewesen, so viel redeten die von den Tieren dort. Wenn Hulda fragte, ob es ihnen denn gefallen hätte, antwortete Mathes, ein Elefant sei auch drin, Tante Eva habe es gesagt; und Peter erzählte von den Bären.

Auch bei Tische redeten sie mehr von den Tieren, die sie sehen wollten, als von den Bildern, die sie gesehen hatten. Frau von Ringewald lachte dazu, und Eva freute sich über das Lachen der Mutter; sie dachte, es ist doch gut, daß die Buben da sind. Und sie war lieb und gütig zu ihnen und begleitete sie am Nachmittag selbst zu Annedore. Die wohnte in einem schönen Hause drei Treppen hoch, und Eva schärfte unten Mathes und Peter ein, wie sie oben zu klingeln hätten. Sie sollten auch fein höflich sein, der Mutter Gruß nicht vergessen, nicht zu viel Kuchen nehmen und auch nicht zu wild sein.

So mit guten Ermahnungen beladen, kletterten die Buben die drei Treppen hinauf. Ein bißchen bänglich war ihnen freilich zumute. Aber oben ging es dann vergnügter zu, als sie es gedacht hatten. Annedores Mutter war eine fröhliche, gütige Frau, die wohl wußte, Buben sind mal laut, Buben essen gern Kuchen und vergessen es manchmal, so fein höflich zu sein wie Erwachsene. Annedores einziger Bruder war freilich schon beinahe ein junger Herr, er saß in Obersekunda und hielt es natürlich unter seiner Würde, mit der jüngeren Schwester und ihren Freunden zu spielen. Denen gefiel das Spielen zu dreien aber auch sehr gut, sie waren ungemein lustig, und die Sternbuben vergaßen darüber die große Stadt; sie spielten so, wie sie in Breitenwert mit ihren Kamerädles spielten. Wie sie so mitten drin in Spiel, Lust und Freude waren, horchte Annedore auf einmal auf; sie hörte Stimmen draußen, doch die verhallten wieder, und nach ein paar Minuten kam Marie, das Zimmermädchen, herein und sagte: „Annedore, Herta und Irene waren da, sie sind aber wieder fortgegangen, als ich erzählte, wer bei dir ist.“

„Mögen sie!“ brummte Annedore nur, und dann spielten die drei weiter und vergaßen die beiden, die sie im Stich gelassen hatten.

Unterdessen stiegen Herta und Irene sehr niedergeschlagen die Treppen hinunter, und Irene sagte: „Du bist schuld, warum bist du fortgelaufen.“

„Du bist schuld, du hast gesagt, wir sollen die Jungen mitnehmen,“ rief Herta.

„Du hast es zuerst gewollt.“