„Sie haben uns geschimpft!“

Annedore war sehr friedfertig. Zank und Streit mochte sie nicht leiden, darum rief sie über das Gitter:

„Das war doch nicht geschimpft!“

„Ich bin kein Kamel!“

„Ich bin kein Stachelschwein!“

„Es ist abscheulich, das zu sagen!“

Annedore lachte, und da erst begriffen die Sternbuben den Irrtum; sie lachten mit, lachten so herzhaft, daß ihre gekränkten Nachbarinnen angesteckt wurden. Sie kamen näher, Annedore erklärte, und über das Gitter hinweg versöhnten sich alle. Das Gitter trennte sie; und doch spielten sie zusammen. Diesseits waren die Käfige, und jenseits wanderten Herta und Irene einher und bewunderten die brüllenden wilden Tiere drüben. Sie waren lieber Zuschauerinnen als Kamel und Stachelschwein.

Es wurde nach aller Ansicht viel zu früh dunkel, und viel zu früh mußte Annedore heimwandern. Doch den frohen Nachmittag beschloß ein froher Abend, und die Sternbuben schliefen mit dem seligen Gedanken ein: morgen ist Sonntag.

Wenn schon die Wochentage so vergnügt waren, wie würde da erst der Sonntag sein!

Als Mathes und Peter erwachten, hörten sie ein sachtes, sanftes Rauschen. Unablässig erklang das, und im Zimmer war es auch nicht so hell wie in den vergangenen Tagen.