In dem blassen Gesicht der Mutter zuckt es, sie sieht an ihrem Mann vorbei; denn sie weiß genau, der denkt jetzt: Könnte ich doch mit euch auch eine Ferienreise machen, einmal ein paar Wochen lang im Walde leben. Im Wald, den er so liebt, er, der Förstersohn.

Wenn nur nicht alles so teuer wäre, wenn man nur einmal etwas sorgloser dem Tage leben könnte!

Weil die Eltern schweigen, verebbt das Gespräch.

Den beiden Kleinen, die mit ihren fünf und drei Jahren ohnehin noch keine Reisesehnsucht kennen, ist es gleich, ob eine oder zehn Klassen reisen, und Ferdel schwatzt lustig dazwischen, und die sinnige Marie freut sich an den bunten Flecken, die hinter einem geschliffenen Glas auf dem weißen Tischtuch glitzern.

Die Tage eilen, die Ferien sind nahe.

Bei Hahns werden keine Reisepläne geschmiedet. Bis eines Tages doch die Reisefreude in das Zimmer tritt und Gastrecht erhält. Else und Hellmut erhalten eine Einladung von Vaters Schwester, sie zu besuchen. Die Tante lebt in einem Nest am Thüringer Wald, einem Städtchen, das beinahe in einer Spielzeugschachtel Platz hat, so klein ist es. Und klein ist auch der Tante Häuschen, winzig ihr Geldbeutel, doch groß ihre warme Güte. Sie hat die Sehnsucht in der Schwägerin Brief verstanden und gedacht: zwei bring' ich zur Not unter und durch; wenn es doch alle sein könnten! Die zwei, die kommen dürfen, sind selig. Sie fahren am ersten Ferientag zur Stadt hinaus. Strahlender als mancher, der eine Weltreise macht und denkt, wenn sie nur recht viel Geld kosten möchte, damit ich etwas los werde, sitzen sie in der vierten Klasse. Sechs Stunden Fahrt, vier Wochen Ferien, was sind alle Freuden der Welt dagegen!

„Und wir reisen auch“, sagt der Vater, als er mit seiner Frau vom Bahnhof aus heimkehrt. „Nächsten Mittwoch früh bis nach — Schönblick.“

Ach du lieber Himmel, diese weite Reise!

Drei Haltestellen weit liegt Schönblick am Rand eines Kiefernwaldes. Sandweg bis hin, karg die Natur, äußerste Bescheidenheit gab ihm den Namen. Doch als Frau Marie, trotz des heiteren Tons, den Kummer in ihres Mannes Augen sieht, ihr nur so eine dürftige Freude bieten zu können, lächelt sie tapfer und sagt ganz heiter: „Ich freu' mich darauf.“

Den Zwang zur Freude haben die kleine Marie und Ferdel nicht nötig. Sie jauchzen laut, denn die Geschwister haben so viel von ihrer Reise erzählt, daß nun auch in ihnen die Lust erwacht ist, zu reisen, und Ferdel schreit wieder: „Will mit der Puffpuffbahn fahren.“ Und flink rutscht er Stühle zusammen, Marie muß einsteigen, ihre Puppenkinder dazu, ein Sofakissen wird freundlich zur Mitfahrt eingeladen, und fort geht die Reise.