„Mutti, was zieh ich an?“ „Mutti, darf ich meine Trommel mitnehmen?“ „Mutti, darf Lotte mit?“ Lotte ist das liebste Puppenkind. „Mutti, kommt der Hansi mit?“ Hansi zwitschert im Bauer, als hätte er wirklich Reisesehnsucht. „Mutti, darf ich Blumen suchen?“ „Mutti, kann ich auf der Lomotive sitzen? Ganz vorn, ja, Mutti?“
Es nahm kein Ende mit den Fragen, hunderterlei Dinge fielen den Kindern ein, nur an das schöne Reisewetter dachten sie nicht, das erschien ihnen selbstverständlich.
Und ihr froher Glaube, daß nichts die Reise nach Schönblick stören könnte, wurde nicht getäuscht. Ein Tag voll Sonne brach an, und als die vier Reisenden am Mittwochmorgen zeitig nach der Bahn wanderten, kam es Frau Marie wirklich vor, als wären sie im Begriff, eine große Reise zu tun.
„Laß alle Sorgen hinter dir,“ bat der Mann herzlich, „wir wollen froh sein.“
In Schönblick im Kiefernforst!
Frau Marie schwieg. Sie überließ es dem Vater, die vielen Fragen zu beantworten, ließ ihn Ferdel trösten, der durchaus auf der Lokomotive sitzen und pfeifen wollte, ihr Blick ging zum Fenster hin. Großstadtbilder, lange Straßen, hohe Häuser, große, aufdringliche Geschäftsanzeigen daran, ein paar Bauplätze, ein Gartenwinkel und wieder Straßen, Häuser und Fabriken; nun mehr Gärten, Eigenhäuser, ein Stück Wald, wieder Häuser, und zuletzt die weite, stille Ebene. Flachland, durch das ein Flüßlein rann. Da waren sie am Ziel. Der Kiefernwald stand dunkel gegen den Himmel, der wie blaue Seide glänzte, mit goldenen Fäden darin. Es stiegen nur wenige Menschen auf der Haltestelle aus, keine Überfüllung wie an Sonntagen, und den Weg zum Walde hin wanderte niemand.
Des Kornes goldene Breiten wogten, und das erste, was die Kinder erblickten, waren ein paar Kornblumen. Mit einem Jubelschrei lief Marie zu ihnen hin. Ferdel aber blieb wie festgenagelt mitten auf dem Wege stehen, starrte mit großen Augen erschrocken auf etwas, das sich langsam bewegte — ein Regenwurm.
Er hatte noch nie einen gesehen.
Wäre ein Löwe dahergekommen, groß und stattlich, er hätte ihm vielleicht zutraulich entgegengeblickt, der Regenwurm flößte ihm unsägliche Angst ein, und erst, als er an der Mutter Hand ein Stücklein dem Tier entronnen war, atmete er auf, befreite sich und sah sich nach neuen Abenteuern um.
Marie hatte auch etwas entdeckt, sie hatte eine Schnecke gefunden, die saß in ihrem gelben Häuschen und kümmerte sich wenig darum, daß zwei Menschlein sie sehen wollten, sie kam erst wieder aus ihrem Haus, als der Vater sie auf ein Wegebreitblatt setzte und alle still von ferne standen, da streckte sie sacht ihre feinen, kleinen Fühlhörner aus.