Ein Wunder schien den Kindern dies einsame kleine Leben, sie konnten sich nicht davon trennen, bis ein paar Schmetterlinge an ihnen vorbei über den Weg flatterten. Die langsame Schnecke hatte sie zum stillen Zuschauen gezwungen, der Schmetterlinge leicht beschwingtes Gaukeln erweckte ihre Unruhe. Sie rannten den bunten Faltern nach, sahen andere, wollten sie greifen, bis Marie auf dem Wege ein neues Wunder erblickte.

Ein Käferlein kroch da, schwerfällig, stahlschimmernd. Mistkäfer wird er genannt, Marie fand ihn süß.

Der Vater lachte über ihr Entzücken und er streifte von einem Halm einen anderen Käfer, grüngolden schimmerte der und Marie ließ den Mistkäfer seines Weges ziehen, ihr kleines Herz wandte sich flink dem zu, der glänzte.

Der Weg zum Walde war nicht weit, und doch brauchten die Wanderer lange dazu, denn die Kinder erlebten auf der kurzen Strecke so viel, daß der Vater meinte, am Ende des Tages würde es sein, als hätten sie eine Weltumseglung hinter sich. Und dann tat sich ihnen der Wald auf. Es war der karge Wald der sandigen Ebene. Kiefern, dazwischen mal ein heller Birkenstreif, die Blumen blühten spärlich, und ein kleiner dunkler See im Walde war seine größte Schönheit. Aber Marie und Ferdel waren nicht verwöhnt, die waren noch nie in einem richtigen Wald gewesen, und sie betraten den bescheidenen Forst, als läge in ihm das goldene Wunderschloß der Märchenkönigin.

Ferdels Mund stand nicht still. Das ewige „Warum“ nach dem Ursprung aller Dinge, das dem Erwachsenen oft noch an der Grenze des Lebens auf den Lippen brennt, wandelte sich bei ihm zu einem „Weilrum“.

„Weilrum Mutti sind die Bäume so groß? Vati, weilrum heißt es Wald?“ Und weilrum, weilrum immerzu.

Marie ging still versonnen einher, sah zu den Bäumen empor und ungeheuer erschienen ihr die dünnstämmigen Kiefern, deren Kronen im goldenen Licht des Sommertages standen. Scheu, beklommen fragte sie endlich leise: „Mutti, wer hat die Bäume gemacht?“

„Der liebe Gott!“

Da schlossen sich sacht die kleinen Hände zusammen und tief aus dankerfülltem Herzlein heraus klang es. „Lieber Gott, dankeschön, daß du die feinen Bäume gemacht hast.“ Und ehe noch die Mutter nach dem Sinn des Dankes, der dem Schatten galt nach dem sonnenheißen Zuweg, fragen konnte, kam schon wieder eine Frage: „Mutti, geht der liebe Gott oft im Walde spazieren?“

Der Antwort auf diese schwere Frage wurde Frau Marie enthoben, ihr Mann sagte mahnend: „Seid still, ganz still, dort kommen Rehe.“