Frau Maier kam gar nicht dazu, eine höfliche Abwehr zu sagen, denn der junge Vater rief eifrig, man müßte etliche von diesen Töpfen holen, denn es sei immerhin erstaunlich, warum das Kind es gerade darauf abgesehen hätte und man müßte untersuchen, ob Farbe oder Form den Anreiz gegeben hätten.

Frau Irma war das gleichgültig. Sie dachte nur: mein Kindchen läuft, Gott sei Dank, es hat keinen verborgenen Fehler.

Und nach zwei Jahren klagte die junge Mutter: „Unser Traudchen ist ein Quirl. Nicht zehn Minuten sitzt das Kind still, heute ist es wieder heimlich auf die Straße gelaufen, wenn es nur nicht so eine Range wird wie Maiers Kinder.“

Die Sorgen nehmen halt kein Ende!

Aus dem Tagebuch einer Mutter.

Wirklich, ich bin keine eingebildete Mutter. Ich finde zwar meinen Erstgeborenen über die Maßen lieblich, doch das finden andere auch, die beiden Großmütter zum Beispiel, aber ich erkenne doch an, daß es noch andere nette Kinder gibt. Wenn freilich mein kleiner Schelm so seinen blonden Kopf an meine Brust lehnt und mich mit seinen dunklen Augen anstrahlt, dann — ja dann erscheint er mir eben wie ein kleiner Engel.

Doch ganz engelhaft ist er nicht immer. Leider. Er hat einen Dickkopf. Sein Vater sagt, den hat er von mir, ich sage, darin gleicht er ihm.

Neulich kam Tante Berta gerade dazu, als Mutter und Sohn über das Spazierengehen anderer Meinung waren. Etwas laut ging es zu. Das kann ich nicht leugnen. Das Söhnlein trampelte und schrie, die Mutter schalt und weinte. Nein, engelhaft war es wohl nicht. Doch abscheulichen Trotzkopf brauchte Tante Berta den Buben auch nicht zu nennen. Das war zu viel.

Wenn Bubi nur weniger geschrien hätte! Zum Davonlaufen war es wirklich und Tante Berta lief auch davon. Ich begleitete sie hinaus, ein bißchen heiß und aufgeregt und just da kam unsere Hausgenossin, die Hofrätin, die Treppe hinauf. Sie sah meine Tränen, hörte Tante Bertas Ermahnungen, strenger zu sein, und da klagte ich ihr meine Not.

Da strich mir die liebe alte Frau sacht über das heiße Gesicht und sagte sanft: „Ruhe und Geduld braucht es zum Muttersein. Kind, mit Heftigkeit in Strenge und Liebe richtet man wenig aus.“