„Ich würde den Bengel tüchtig verwichsen“, rief Tante Berta, die mit festem Schritt die Stiege abwärts ging.
Wer hatte nun recht?
Still kehrte ich zu meinem kleinen Unband zurück. Mit verheultem Gesichtchen saß er in seiner Ecke und knurrte: „Will nicht spazieren gehen, will nicht gehen!“
Ich schwieg. „Ruhe und Geduld“ klang's in mir nach. Zwang ich ihn jetzt, begann wohl das Geschrei von neuem. Ich setzte mich also an meinen Schreibtisch und begann meine Wirtschaftsrechnung.
Auf einmal kam aus Bubis Ecke ein Seufzerlein.
Ich rechnete weiter — wieder ein Seufzer!
Nun war er still, dann klang es zaghaft: „Mutti!“
Mein Kopf machte eine halbe Wendung. Nein noch war es nicht Zeit. Ich rechnete krampfhaft 15 und 37 sind 74 — oh welche närrischen Summen kamen heraus!
Wieder ein Seufzerlein. Es raschelte. Trapp trapp kam's daher, und dann huschelte es sich weich und warm an mich an und flehend und ach so kläglich klang es: „Mutti — Mutti!“
Rasch wollte ich den lieben unnützen Schelm an mich ziehen und ihn tüchtig abküssen, als mir der alten Frau Mahnung einfiel: „Mit Heftigkeit in Strenge und Liebe richtet man wenig aus.“ Ich streichelte also nur linde meinen Trotzkopf und fragte gelassen: „Warum hast du denn keine Lust zum Spazierengehen?“