»Wir müssen gehen, Sophia Christine, es ist spät geworden.« Der Gutsherr stand auf, er streckte dem Alten die Hand hin und sagte ganz einfach: »Jetzt weiß ich, wo ich mir Rat holen kann, wenn ich den brauche.«

»Wenn der gnädige Herr mich braucht, ich bin alleweil bereit,« gab der Rabenvater zurück.

»Auf gute Nachbarschaft!« Sophia Christine wunderte sich selbst über ihr Wort, aber da ihr Mann lächelte, kam wieder das frohe Läuten in ihr junges Herz, das sie zuerst vernommen, als sie beide unter der blühenden Linde gestanden hatten am Tage des Einzuges. –

Die Sonne war gesunken, aber noch lag das Tal in warmem, rotem Glanz. Die Grillen zirpten, der Abendwind harfte lind in den Bäumen und ferne glänzte das Haus herüber, das die Leute Schloß nannten, und das doch nur ein gutes, festes Familienhaus war.

Herr de Charreard und seine Frau gingen Hand in Hand ihrer Heimat zu. Unterwegs erzählte der Mann, wo er gewesen war. An einer Wassermühle im Grund war er vorbeigeritten, einen einsamen Waldweg entlang, bis zu einem Dorf. »Dürrenkleina« hatten es seine Bewohner genannt, von da hatte er den Blick frei gehabt nach dem Saaletal hinab.

»Ich sah auch nach Jena hin, meine liebe Hausfrau du,« schloß er die Erzählung.

»Mit Sehnsucht?« fragte Sophia Christine scheu.

»Nein, die empfand ich nicht.« Anthoine de Charreard atmete tief auf. »Es ist ein schönes Stück Land, das uns gehört, Sophia Christine,« sagte er ernst. »Aber es ist Land, das harte Arbeit braucht. In Arkadien leben wir nicht, mein Weib. Lust und Freude wird uns karg bemessen sein. Arme Sophia Christine, es ist ein rechtes Bettelbrot, das du erheiratet hast.«

»Gott segne uns das liebe Brot!« Sophia Christine rief es froh. »Ich heiratete die Armut nicht. Wir haben eine Heimat und – es ist Friede.« Ihre Stimme sank, sie hörte wieder den alten Bauern erzählen. Und halb zu sich selbst sprach sie: »Wir müssen sehr gut sein zu den Leuten, die zu uns gehören, sie haben sehr viel gelitten.«