Herr Anthoine de Charreard hörte an dem Wort vorbei. Das Gutsein war Frauensache. Seine Gedanken umspannten die Arbeit. Er baute, säete, pflanzte, legte Gärten an, richtete alles stattlich in Gedanken auf. Es war ihm dabei zumute wie als ganz jungen Burschen im ersten Gefecht, eine Lust zur Tat schrie in ihm. Damals hatte er zerstört, gedankenlos, und er hatte das Zerstören als Wonne empfunden, jetzt dachte er an ein Aufbauen, und er spürte, die Freude würde stärker sein. Er nahm ein kleines Jagdhorn, das er beim eiligen Fortreiten unwillkürlich über seine Schulter gehängt hatte, und blies hinein. Das Pferd hob den Kopf und wieherte. Da schwang sich Herr Anthoine in den Sattel, hob seine Frau zu sich empor und blies wieder in das Horn. Wie Jubel klang es, so ritten sie beide zum Hof hinein und es war ihnen beiden wie eine rechte Heimkehr.


[3. Kapitel.]

Sophia Christine brauchte das Gutsein gegen die Leute, gegen die Bewohner der nachbarlichen Dörfer Bucha und Schorba nicht zu lernen, sie, die Scheue, fand auf einmal die Sprache, die die Leute verstanden. Sie redete mit ihnen von vergangener Qual und gegenwärtiger Not, von den kargen Freuden ihres bäuerlichen Lebens, und ihr Wort war Hoffnung, ihr Blick Zuversicht, ihr Lächeln Trost, ihr Kommen Freude. Und so ausgefüllt mit Arbeit auch ihre Tage waren, immer gelang es ihr noch ein Einschiebsel an Zeit zu machen, um eine Klage zu hören, einen Rat zu geben. Die Ratlose, die kleine, scheue Frau wurde bald Beraterin. Wie sie es fertig brachte, war selbst ihrem Mann ein Rätsel.

Sophia Christine ließ ihr Herz raten, und wo das versagte, den einzigen Freund, den sie in Jena besaß, den Magister Albertinus. Der war einst ihr Lehrer gewesen für eine kurze Spanne Zeit, er war der einzige, der ihrem liebearmen Leben ein wenig Glanz und Freude gegeben hatte. An ihn schrieb die kleine Frau eines Tages, als in Pösen eine Kuh erkrankt war, denn ihrer Meinung nach wußte Magister Albertinus alles, was einer nur wissen kann. Und der Magister sandte ihr eine Flasche Lebenselixier, das half der Kuh auf die Beine, ob sie nicht von selbst aufgestanden wäre, wußte niemand.

Wenige Tage später kam der Magister anspaziert, er trug in einem Felleisen eine ganze Apotheke zusammen. Seltsame Mittel, auch ein Büchlein Rezepte brachte er der Madame de Charreard und dazu die Neuigkeit, daß man im Schloß Monsieur Anthoine arg vermisse. Die Neuigkeit warf Sophia Christine zum Fenster hinaus, die mochte sie gar nicht hören, aber die Fläschchen und Büchsen stellte sie in den alten Schrank der Nesselrodes und das kleine Buch nahm sie mit warmem Danke an.

Der Hausherr lachte ein wenig über diese Alchymisterei, wie er es nannte, aber seine Frau ließ sich nicht beirren. Sie gab da ein Tränklein, dort eine Latwerge, und weil die Bauern ein eisenfester Schlag waren, schadeten die Mixturen nichts und der gute Glaube half zum Gesundwerden.

Monsieur de Charreard hatte über den Heilkram des Magisters gelacht, das Wort, man vermisse ihn im Schloß, warf er nicht wie seine Frau zum Fenster hinaus. Er dachte daran, dachte mehr und mehr darüber nach, und eines Tages ritt der Herr von Pösen, von einem Reitknecht begleitet, nach Jena. Die junge Frau stand unter der Linde und ihre Augen waren dunkel von Tränen.

Und wie sie so stand und in die Ferne sah und ihre Sehnsucht auf grauem Rößlein dem Gatten nachritt, kam der Hofverwalter, er wollte dies und das wissen, wie die Arbeit eingerichtet werden sollte, und Frau de Charreard wußte es nicht.