[5. Kapitel.]

Nach der Taufe des kleinen Anthoine verstummte nun freilich der Festjubel auf dem Gute für längere Zeit. Der Verkehr mit Jena wurde nicht allzu lebhaft fortgesetzt. Die Herzogin vergaß den Landsmann ein wenig, sie schob ihn beiseite wie ein überflüssiges Stück Hausrat; freilich immer mit dem Gedanken, er wäre doch noch einmal zu brauchen.

Auf Pösen lebten sie still ihre Tage weiter. Zu dem kleinen Anthoine gesellten sich zwei Schwestern, und gerade kam noch ein Büblein an, als in Jena eine kleine Prinzessin in der Wiege lag. Der Gutsherr fuhr zur Taufe hin, die mit soviel Glanz und Prunk gefeiert wurde, als wäre nicht noch große Armut im Lande. Das Kind erhielt in der Taufe den Namen Elisabeth Marie und ihre Mutter sagte gnädig zu Monsieur Anthoine de Charreard, eine seiner Töchter solle nach etlichen Jahren Gespielin der Prinzessin werden und mit ihr zusammen aufwachsen.

Herr de Charreard war zu sehr Hofmann, um sich für diese Gnade nicht alleruntertänigst zu bedanken und von seiner großen, dankbarsten Freude zu sprechen. Dabei wußte er doch, Frau Sophia Christine würde dies ein großes Herzeleid sein. Ein wie viel größeres Herzeleid die Frau gerade in den Stunden durchlitt, ahnte er nicht. Bisher war wohl die Sorge manchmal auf leisen Füßen durch das Haus gehuscht, aber immer hatte sie vor der jungen Frau lebensmutigem Lächeln die Flucht ergriffen, nun aber kam das Leid und klopfte an. Hart, schwer, unbarmherzig.

Der kleine Gaston starb.

Ganz rasch verlöschte das kleine Lebenslicht und Frau Sophia Christine wollte vor Kummer schier vergehen. Doch da kam die alte Rabenmutter zu ihr. Eine welke, müde Frau war sie, und als sie das tote Bübchen sah, gingen ihre Augen hinweg zu den drei größeren Kindern, und sie sagte schlicht: »Euer Gnaden sind noch reich, sehr reich.«

Und Sophia Christine führte still den Reichtum ihres Hauses, ihre drei schönen Kinder ihrem Manne entgegen, als er heimkam, und auch er sagte: »Ja, wir sind noch reich, sehr reich.«

Die drei Kinder trauerten wohl dem kleinen Bruder ein paar Tage nach, aber allzu tief war der Kummer noch nicht, er vermochte nicht ihr heiteres Kinderleben zu trüben. Es war ein lustiges Dreigespann, das in Pösen aufwuchs. Anthoine, Anton, wie ihn seine Mutter gern nannte, war besinnlich und stiller, am lebhaftesten war die ältere Schwester. Dorothea Louise, die Louison. Auch ein wenig stiller wieder Johanna Sybille, die Jeannette genannt wurde. Aber alle drei zusammen erfüllten sie Haus und Garten mit lautem lustigem Lärm, und wenn Sophia Christine dies frohe Kinderlachen auftönen hörte, dann begann immer der warme Strom der Freude in ihrem Herzen zu rauschen.