Ein seltsamer Laut ließ die Kinder aufhorchen. Es trapste dumpf etwas daher. Pferdegetrappel war es, das hörten sie wohl.
Sie blieben tief erschrocken stehen. Wer kam da an?
Die sonst so kecke Louison flüsterte zitternd: »Schweden.« Das Wort war für sie der Inbegriff alles Grauens.
»Nicht doch, die kommen nicht mehr.« Anthoine nahm all seinen Mut zusammen. Er flüsterte den Schwestern zu: »Wir kriechen ins Gebüsch, flink, duckt euch.«
Sie duckten sich alle drei im Unterholz zusammen, das raschelte und knackte, und einer hörte es wohl. Ein Kriegsmann war es, der daherritt. Buntfarbig war sein Kleid, blau und gelb, eine rote Schärpe darüber, von dem riesengroßen Hut wallte eine blaue Feder herab, und eine prunkvolle Schaumünze hing dem Mann um den Hals. Das Gesicht war wettergebräunt, die Waffen, wie alles, was er trug, sahen schon zum Fürchten aus, und den drei Kindern schlug bange das Herz. Sie meinten freilich, sie hätten sich gut versteckt, doch da hielt plötzlich der Reiter vor dem Schlupfwinkel und schrie sie mit rauher Stimme an: »Hollahe, was sind das da für seltsame Vögel. Vorkommen!« – Er sagte nichts weiter, doch Klang und Miene drohten, und die drei wagten in ihrer Angst gar nicht an ein Ausreißen zu denken. Louison und Jeannettchen brachen in ein lautes Jammergeschrei aus, Anthoine bewahrte noch ein Restlein Mut, er packte die Schwestern an den Händen, als könnte er sie so schützen.
Der Reiter legte plötzlich die Hand vor die Augen, als die drei so vor ihm standen. Er sah ein Bild vor sich: ein blonder Bube, zwei blonde Mädels, alle drei zitternd vor Angst, und er hörte das Johlen und Schreien einer rohen Menge, als ein Soldat die älteste ergriff und rief: »Die ist mein.«
»Woher seid ihr denn?«
Merkwürdig, des Reiters Brummbaß klang plötzlich um vieles milder. Anthoine gab Antwort, seine Stimme flatterte wie ein armer, gefangener Vogel. »Weil die Rabeneltern nicht da waren, sind wir in den Wald gegangen.«