»Was steht nicht mehr?«

»Das Dorf. Der Herr Papa sagt, es wäre ganz verbrannt – von den Schweden.«

Wieder fuhr sich der Fremde mit der Hand über die Augen. Louison sah ihn erstaunt an und plötzlich rief sie: »Du siehst aus wie Rabens Christian.«

»Lebt der noch?« Ein Frohlocken war es. Die Kinder nickten eifrig, und dann erzählten sie alles, was sie von den Rabeneltern, von Haus und Hof wußten, und immer mehr fragte der Fremde, mehr und mehr wollte er wissen. Bis Louison plötzlich die Hände nachdenklich zusammenschlug und rief: »Ich weiß was.«

»Nun, was weiß die kleine Jungfer?«

»Ich weiß, daß du Rabenmutters Nikolaus bist. Jeannettchen sagt immer, der kommt wieder.«

Da war just der Wald zu Ende. Die Mühle lag im Grunde und der Fremde ließ stumm das Pferd trotten, und sagte auf einmal: »Wie sieht denn die Rabenmutter aus?«

Das wußten die Kinder nicht zu sagen. Sie blickten sich verlegen an, bis Louison ein Wort der Mutter einfiel, sie rief mit ihrem hellen Stimmchen: »Wie das liebe Herzeleid.«

Der Mann legte da seinen Kopf an den Hals des Pferdes, und ein seltsam schluchzender Ton kam aus seiner Kehle. Den Kindern wurde Angst, nur Louison tatschte sanft des Reiters Arm. Sie war aber auch froh, daß in der Ferne das Haus der Rabeneltern auftauchte, und zeigte mit dem Fingerlein dahin: »Dort steht die Rabenmutter.«

Sie war es, und der Fremde vergaß die drei auf dem Pferd, er stürzte vor, und dann lag der Mann vor der alten Frau auf den Knien und rief: »Mutter, Mutter!«