»Nix Grausliches, bewahr mich der T…« Nikolaus redete den Satz nicht zu Ende, aber dann saß er mit den Kindern am Bachrand und erzählte ihnen von dem schönen Lande Schweden, von einem friedsamen Tal, in dem er gewohnt.

»Ich denke, die Schweden sind so böse?« Jeannettchen schmiegte sich zutraulich an den rauhen Freund. Der strich ihr sanft über die Locken. »Im Krieg werden die Menschen wohl alle böse. Na und was damals Schweden hieß, das waren meist keine echten mehr. Die echten, kleines Fräulein, die taugen schon etwas, vor denen brauchst du dich nicht zu fürchten.«


[7. Kapitel.]

Kurz ist ein Jahr, lang ist ein Jahr.

Die Arbeitsjahre mit ihrem Mann zusammen waren Sophia Christine verrauscht wie ein schönes Lied, das erste Jahr des Einsamseins hatte endlose Tage, schlummerlose Nächte, es kroch dahin wie eine Schnecke im Staub. Stunde um Stunde, Tag um Tag flogen die Gedanken zu Mann, zu Kind. Wie ging es beiden? Wer hütete der kleinen Louison junge Seele? Wer war um sie, wer schützte ihre Lieben?

Das Laub wechselte seine Farbe, Blatt um Blatt fiel erst sacht zu Boden, bis es ein Sturmwind von den Ästen riß. Über das Tal wehte der Schnee; weiß Dächer und Mauern, weiß im Rauhreif Bäume und Sträucher, der Bach von einem Eisband gebunden. Noch tiefere Stille als sonst im Tal. Weihnachtstraum; erste Frühlingsstürme; Sonnenschein. Der Schnee schwand, in Bäume und Sträucher quoll der junge Saft bis in das äußerste Spitzchen, sie schimmerten rötlich, gelbgrün, hingen sich grüne Spinnewebe über, wieder Schnee auf den Bäumen, aber jede Flocke eine hauchzarte Blüte, in die die Bienen summend vor Lust sich hineinschmiegten. Die Vögel kehrten heim, bauten Nester, die Felder begannen zu wogen und in Sophia Christinens Herzen zitterte heißer die Sehnsucht; nun bald, nun balde kam das Wiedersehen.

Doch die Linden blühten und verblühten, Kornblumen, Rittersporn und Mohn säumten die Ränder der Felder, auf den Wiesen duftete das Heu, es wurde eingefahren und die kornschweren Ähren erzitterten eines Tages, nun sang auch ihnen morgen die Sense das Sterbelied.

Goldene Hügel wurden geschichtet, die Scheunen füllten sich, der Rabenvater stand auf dem Hof und sagte: »Ein gesegnetes Jahr!« Und als er Anthoine müßig auf dem Brunnenrand sitzen sah, sagte er: »Ins Faulenzerland gehört er niche mehr. Der Junker könnte schon helfen, itze braucht die gnädige Frau Mutter jede Hilfe.«