Nur das an manchem Wachtfeuer, in stillen einsamen Nächten vor dem Feinde geschärfte Ohr des Bauern hörte das ferne Reiten, den kurzen, scharfen Hufschlag. Die anderen lauschten, hörten erst nichts, bis auch sie den Klang vernahmen und dann den Gutsherrn oben in den Hohlweg einbiegen sahen. Sophia Christine stand auf, um dem Manne entgegenzugehen, Jeannettchen folgte rasch, Anthoine fühlte sich von dem Bauern festgehalten. »Wenn's mal in den Kampf geht, Junker, vergeßt mich nit. So eine alte Kriegsgurgel wie unsereins muß wieder mal Pulver riechen. Schockschwerebrett, schön ist das Tal hier, aber einmal will ich doch sehen, wie es jetzt in der Welt ausschaut.«
Sophia Christine sah ihrem Manne an, als der vor ihr hielt, was ihn bedrückte, und sie nahm mit all der Lindigkeit, die sie hatte, die Last von der Seele, fragte einfach: »Sie wollen wohl unsern Anthoine in Jena?«
Ja, sie wollten ihn. Die Frau Herzogin begehrte den Sohn zum Spiel. Mit heiterem Lachen hatte sie es gesagt: »Ich will einen Franzosen aus ihm machen.« Das sagte der Herr de Charreard seiner Frau nicht, er wollte sie nicht bekümmern, nur daß die Herzogin mit Louison selbst in drei Tagen zum Besuch kommen wollte, erzählte er.
»Und dann Anthoine mitnehmen.«
»Ja, sie wird ihn gleich haben wollen.«
In des Junkers frohes Bubengesicht stieg das Blut, als er von dem Beschlusse hörte. Hinaus wollte er schon, aber nicht ein Hofherr werden. Er rannte der Antwort aus dem Wege, saß dann im Abendschein vor der Türe des Rabenhauses und legte, wie es am Nachmittag seine Mutter getan hatte, seine Sorge vor die treuen Freunde seiner Jugend hin. Der Magister war traurig, noch eins von den Kindern des Hauses sollte am Hofe verderben. Er prüfte mit Blicken das reine Gesicht seines Schülers und murrte: »Wirst auch ein Franzose dort werden.«
»Ich schätze, das wird er nit. Und eine Weile ist's gut, wenn er sich schicken lernt; gleich ins Heer, da ist der Junker zu jung dazu,« murmelte der Bauer.
»Niklas, ich bin sechzehn Jahre gewesen,« rief Anthoine empört. »Wie alt warst denn du, als du ins Heer kamst?«
»Das kann der Junker nit vergleichen. Seht, an dem Grame von damals würg' ich noch heute. Arg schlimm war's, meiner Seel'!«