Ja, schön war Louison de Charreard geworden. Sie fanden es in der Heimat alle. Jeannettchen sah wie ein Kind gegen die doch nur ein Jahr ältere Schwester aus. Sie tat noch weniger als sonst ihren Mund auf, und als der Herzogin prüfender Blick über sie hinging, dachte die Dame: »Diese nicht, sie paßt zu wenig an den Hof.«

Frau Sophia Christine sah den abwägenden Blick, der ihr sanftes Kind so rasch geringschätzig freigab, und sie wußte, jetzt hatte die Herzogin ihr das letzte Kind nehmen wollen. Jetzt hatte sie damit ihr Glück bezahlen sollen. Und sie freute sich der ganz bescheidenen Anmut dieser Tochter. Aber da erklang schon das Wort, das ihr auch diese Freude trübte. Die Herzogin sprach von dem jungen Dracksdorf, der als Hofjunker in Bälde nach Weimar kommen würde, und sie sprach von ihrem Patenkind, einer jungen Hugenottin, die sie dem Junker zu vermählen gedachte.

Jeannettchen öffnete die Augen weit. Ihr treuer Freund Heinrich Wilhelm sollte auch ein Hofherr werden. Tränen trübten ihr den klaren Blick, und sie glitt leise aus dem Saal, nur die Mutter merkte es, als die Herzogin dahin sah, wo Jeannettchen gestanden hatte, war der Platz leer, und auf das spöttische Fragen, wo denn das Fräulein sei, gab Frau Sophia Christine die gelassene Antwort, es zieme sich für die Haustochter, in der Küche nach dem rechten zu sehen, wenn so hochfürstliche Gäste dem Hause die Ehre höchstihres Besuches schenkten.

Herr de Charreard sah seine Frau erstaunt an. Sie war doch einstmals nur die schüchterne Jungfer Riesin gewesen, war alle diese Jahre kaum aus dem stillen Tal herausgekommen und sprach, als hätte sie just gestern ein Fest am Hofe des Königs Ludwig mit gefeiert. Daß die tiefgekränkte Mutterliebe der Frau die Kraft gab, sich so aufrecht zu halten, ahnte er nicht, es war aber ein ehrliches Bewundern in seinem Herzen. Und wenn die Herzogin Marie, die wieder die neueste Pariser Modetorheit, eine Fontange, trug, die sich ungeheuer auf ihrem Haupte aufbaute, nach der Schönsten im Land gefragt hätte, der Herr de Charreard hätte unbedingt seiner sanften Frau den Preis zuerkannt.

Aber wieder brach die Herzogin früher auf, als sie es sich vorgenommen hatte. Sie sah in Louisons Blick ein trauriges Nachsinnen aufdämmern und hörte ihre Tochter das stille Tal voll Entzücken preisen. Das vertrug sie nicht.

Sie verlangte des jungen Anthoine Mitkommen. Aber da fand sie wieder einen freilich sanften, aber doch festen Widerstand bei der Hausfrau. Die meinte, der Sohn müsse wohl ausgerüstet werden, dazu sei die Zeit zu kurz gewesen.

»Ei,« rief die Herzogin, »da muß ich den Junker doch selbst fragen, ob seine Lust nicht größer ist als seiner gnädigen Frau Mama Bedenklichkeit.«

Auf diese Frage erhielt nun freilich die stolze Frau eine Antwort, die ihr ein verächtliches Lächeln entlockte. Der junge Anthoine fügte zu den Erwägungen seiner Mutter noch die hinzu, er habe in den Dörfern Bucha und Schorba noch nicht Abschied genommen, wie es sich gebühre.

»Bauersleute, pah! Ich fürchte, ein rechter Hofmann wird Euer Sohn nicht, Monsieur de Charreard!« Die Herzogin sah an der Hausfrau vorbei, ihre Stimme spottete, ihre Augen blitzten böse. In Sophia Christines Herzen aber erwuchs in dieser Stunde ganz fest die Zuversicht, der Sohn werde der Heimat treu bleiben.