In treulichster Sorge und Fürbitte Deine Mutter
Sophia Christine de Charreard geb. Riesin.

Da beugte der Junker Anthoine, der hinaus in den Kampf und Streit der Welt ziehen wollte, sein Gesicht über das Blatt und heulte laut hinaus.

Nikolaus Rabe, der sein fitzelbuntes Kriegskleid trug, trat von einem Bein auf das andere, das bitterliche Weinen beschwerte ihm sein Herz, ein paarmal brummelte er: »So müßt Ihr's nit halten, so nit, Jesses, so doch nit.«

Da aber der Schmerz des jungen Anthoine gründlich war, ebbte das Weinen nicht so bald ab und es steckte den Nikolaus an. Die beiden, die von Kriegstaten träumten, heulten herzhaft mitsammen, und wer weiß, wie lange das noch gedauert hätte, wenn einer nicht die Türe aufgerissen hätte, der Eile in den Gliedern hatte. »Junker, eilt Euch.« Der Herr von Hünefeld war noch nicht drinnen, da rief er das Wort schon. »Der St. Laurent hat's herausgespürt, daß ich Euch bekommen habe, nun läßt er Häscher warten auf dem Wege zur Dornburg, denkt, wir ziehen gen Berlin. Man will Euch aufgreifen, Euch und den Dracksdorf. Mich wollen sie als fremden Werber gefangen setzen! Kommt rasch. Wir reiten im Saaletal entlang, holen den Dracksdorf und den Rudolph, so ihm sein Herr Vater Permission gibt, und nehmen unsern Weg über Franken. Eilt Euch, tut, als wär's ein Lustritt. Ich reite voran, gerade zusammen soll man uns nit sehen.«

»Wir kommen eiligst nach, Herr Hauptmann,« schrie Nikolaus, als wäre der Hauptmann stocktaub.

»Kruzitürken, was ist das für einer,« schrie der Herr Balthasar von Hünefeld. »Ein übriggebliebener Schwede gar!«

»So nit. Bin ein Pösener Kind wie unser Junker, aber Schockschwerebrett, ich will mit, und wenn's gegen die Türken ging, dann wär's ein Hauptspaß.« Und dann erzählte der Nikolaus mit zehn Worten, woher er sei, warum er mitwolle, und der Herr von Hünefeld nickte. So einen konnte er brauchen. »Abgemacht, wir reiten. Aber zuerst den Franzmännern auf den Hals.«

»Sapperlot, ist mir auch recht.«

»Alsdann Gott befohlen. Unterhalb der Lobeda-Burg treffen wir uns.«

Eine Stunde später ritt der Junker Anthoine de Charreard aus der Stadt und traf am Tor den Obersten de St. Laurent. Der sah des Junkers Begleiter erstaunt an. »Was ist das für ein bunter Gauch!« spottete er. »Habt Ihr einen Pfingstvogel gefangen, Junker?«