»Von Pösen ist er gekommen. Hat mir Kunde von dort gebracht und –«
»Will ihn selbst holen,« vollendete Nikolaus Rabe, der wohl das Zögern des jungen Anthoines merkte. Glührot brannten dessen Wangen.
»So, auf seltsamen Wegen, andersrum scheint mir der Weg zu gehen,« spottete der Herr de St. Laurent. Er drängte sein Pferd dicht an die beiden heran.
»Durchs Leutratal reiten wir, der Weg ist kühler.« Nikolaus ließ sich nicht so leicht einschüchtern. »Gnaden sollten auch mal den Weg nehmen, viel länger ist er nit! Und der Wald schattet gut!«
»Ist das Euer Vormund, Junker Charreard,« spottete der Oberst.
»Unser Niklas ist's.«
»Für einen Bauern trägt er ein sonderbares Kleid. Doch –« Dem Oberst kam ein Besinnen. »Richtig, den Kauz sah ich schon, als ich unsere gnädigste Frau Herzogin geleitete. Nun denn, wenn's so ist, empfehlt mich den gnädigsten Eltern – Herr Schwager!«
Anthoine de Charreard gab seinem Pferd die Sporen; er tat, als hätte das letzte Wort der Wind davongetragen. Der Herr de St. Laurent sah den beiden nach. Der Begleiter stimmte, der Weg stimmte, und doch – hätte er nicht besser den Junker Anthoine aufgehalten und sich damit von den Charreards Dank erworben?
Anthoine de Charreard ritt schweigend in raschem Trabe vorwärts, ein bitteres Gefühl brannte in ihm. Der eitle Narr sollte seiner Schwester Mann werden. Einmal drehte er sich um, sah rückwärts Jenas Türme im hellen Lichte stehen und sah dabei auch den Nikolaus neben sich reiten. Mit finsterem Gesicht, wie einer, der Kampfzeit nicht erwarten kann. »Niklas, gelle, ein bitterer Abschied ist's. Was sagt dein Weib, Niklas?«
»Sie heult,« knurrte Nikolaus. »Aber nune sie den Kleinen hat, nimmt sie's leichter. Sie denkt eben: ist 'ne Krankheit und wird vorbeigehen. Ist auch so. Junker, eins aufbrennen möchte ich dem Milchgesicht da, damit er unsere Louison nit freit. Unsere Louison und der, hol's der Teufel, gut geht es nit aus.«