»Was gibt's da viel zu reportieren. Unser Oberst wollt' uns nicht loslassen, bei Trier liegt unser Fähnlein. Der Hauptmann meint, es ginge in Bälde gegen den König Ludwig und seine verdammten Reunionskammern los oder gegen den Türken, und der Anthoine sagt: So oder so, ihm wär's gleich. Ich bin persuadiert, er wird mal ein großer Kriegsmann, Euer Monsieur Bruder, so ein Draufgänger ist er. Der Adrian tut's ihm sachter nach, der Niklas ist aber wild darauf, gegen Franzosen oder Türken sein Pulver zu verschießen. Ich wär' wohl auch noch nicht heimgekommen und hätte meinen Abschied genommen, wenn der Herr Vormund nicht geschrieben hätte, es wäre nun Zeit, meine Güter zu übernehmen und eine Hausfrau heimzuführen.«
Hier tat der Junker von Dracksdorf einen erschrecklichen Seufzer und Jeannettchen wurde blutrot und wurde gleich wieder blaß, denn der Mann da neben ihr fing an zu erzählen, er wäre in Jena gewesen und hätte da Louison gesehen. »Zum Henker,« knurrte er, »die hätte mir besser als Madame de Dracksdorf gefallen als –«
»Wir wollen heimgehen!« Jeannettchen stand rasch auf, sie merkte es gar nicht, daß ihr ein paar helle Tränen über die rosigen Wangen liefen, so tief war ihr Herzeleid in diesem Augenblick. Aber der Junker von Dracksdorf, der schon mal in der Einfalt seines Gemütes einen Baum umrennen konnte, sah doch die Tränen, und er machte sich auch das rechte Verslein dazu. O lieber Himmel, da war ihm im stillen Tal die Blume Wunderhold erblüht, die er so himmelgern in Jena gepflückt hätte. »Ja,« sagte er und wurde in seiner Verlegenheit feierlich, »es ist wohl Zeit, den gnädigen Eltern der Mademoiselle meine Komplimente zu Füßen zu legen, ich bin persuadiert, sie werden meinen Rapport mit Ungeduld attendieren.«
In all ihrem Herzeleid mußte Jeannettchen lachen. Sie knixte tief und sagte mit der anmutigen Schelmerei, die ihr Muttererbe war: »Und ich bin persuadiert, den Herrn Magister trifft der Schlagfluß, so er des Herrn Junkers verwelschtes Gerede vernimmt.«
Potz Blitz, war das das stille, schüchterne Jeannettchen?
Der Junker riß Mund und Augen auf, war so verdutzt, daß er die lachende Jungfer erst davonlaufen ließ und ihr dann nach ein paar Minuten eilfertig und ziemlich beschämt nachrannte. Ihm war nämlich der Gedanke gekommen, daß die Tränlein vorhin der Schwester Heirat und nicht ihm gegolten hatten, und er schämte sich seiner Einbildung gewaltig. »Mademoiselle Jeannette,« stammelte er, als er die Enteilende eingeholt hatte, »wenn man sich um die Nase den Weltwind hat eine Weile soufflieren –«
»Redet deutsch, Junker von Dracksdorf,« unterbrach ihn Jeannettchen, »der Weltwind wird Euch hoffentlich nicht Eure guten deutschen Worte alle davongetragen haben. Und da kommt der Magister!«
Wirklich kam Magister Albertinus den beiden entgegen. Erst staunte er, dann erschrak er und dann schalt er, denn der Junker vergaß zu schnell Jeannettchens Mahnung, er rief: »Ich kann nur Gutes rapportieren von dem Sukzeß und der Honneur des –«
»Gutes was?« Der Magister sah den Junker an wie einen, der vom Mond gefallen ist, und Jeannettchen lachte dazu. Lachte die beiden verdutzten Männer aus, bis der aus der Welt Heimgekommene merkte, im stillen Leutratal redete man unverwelschtes Deutsch, und dem Magister ein Lichtlein aufging, daß draußen die Torheit, die deutsche Sprache mit fremden Flicken zu behängen, noch fortwucherte. »Na, Junker von Dracksdorf, wenn Ihr schon so redet, was werden erst die andern für verwelschte Mäuler haben,« brummte er. »Na, aber, ich gewöhn's ihnen ab.«