»Der Oberst de St. Laurent ist Katholik geworden, weil er sonst seinen hohen Posten nicht bekommen hätte. Ich sollte zum Übertritt gezwungen werden. Und dich wollten sie auch bekehren, darum die Freundschaft, darum wurdest du verwöhnt, darum trieb ich dich fort!«
»Oh Louison!«
»Es ist so, Anthoine. Wir hätten in der Heimat bleiben sollen, daheim in unserm Friedenstal.«
»Ich bringe dich heim!«
»Ich kann nicht, Bruder. Man wird mich dort zuerst suchen und man wird keine Schonung kennen. Komm in die Welt hinaus, ich bin dein Reitknecht, nimm mich mit. Du bist mein einziger Schutz.«
»Ich verlasse dich nicht.«
Und am nächsten Morgen ritten die Kinder aus dem Leutratal in die weite, unbekannte Welt hinaus. –
Nach Weihnachten kam die Kunde von beider Verschwinden nach Pösen. Der Oberst de St. Laurent sandte Boten, wollte seine Frau zurückholen lassen.
Jeannette von Dracksdorf war just zum ersten Besuch mit ihrem Manne da, als die beiden Herren in Pösen einritten. Sie traten herrisch und anmaßend auf, hatten eine Begleitung vom Hof in Weimar und verlangten Louisons Herausgabe. Dann, als sie merkten, die bestürzten Eltern wußten nichts von der Tochter Verbleib, wurden sie vertraulicher und erzählten. Der Junker Anthoine habe es plötzlich mit dem Heimweh bekommen und sei nach Deutschland gereist. Ein paar Tage später sei Madame de St. Laurent spurlos verschwunden. Niemand wisse, wohin, mit ihr zugleich sei der alte Julien, ein früherer Diener des Herrn de Charreard, verschwunden. Man habe geforscht und gefragt und nur herausbekommen, daß sich beide wohl nach Deutschland gewendet hätten.