Da waren sie beide, wie sie es zuerst gewollt, nach Wien gezogen. Vierzehn Tage später hatten sie in einer belagerten Stadt fast ohne Mittel gesessen. Es war ein kümmerliches Leben, das sie führten, voll Angst vor Entdeckung, weil Louison zwei Tage nach ihrer Ankunft den Obersten de St. Laurent auf der Gasse erblickt hatte. Sie war unerkannt geblieben, aber seitdem hatte sie sich nicht wieder hinausgetraut, und sie verbrachte die vielen Stunden, in denen Anthoine fern sein mußte, einsam in der heißen Kammer.

»Der Oberst de St. Laurent ist nicht mehr hier,« sagte Adrian. »Ich habe es zufällig gestern erfahren, er wäre in das polnische Hauptquartier gezogen, kurz nach des Kaisers Flucht.«

»Er ist ein Verräter,« sagte Louison hart.

»Das sagte der, der es mir erzählte, auch, man hat ihm offenbar hier mißtraut.«

Wie ein schwerer Stein war der Name des Mannes zwischen die drei gefallen. Sie saßen stumm da, starrten auf den Boden nieder, hörten das Dröhnen der Geschütze, die gegen die belagerte Stadt gerichtet waren, und auf einmal sagte Louison leise: »Wären wir doch alle in Pösen!«

»Ach ja, daheim im stillen Friedenstal.«

»Oder auf der Leuchtenburg,« murmelte Adrian Rudolph. Er dachte an den weiten, fernen Blick über das liebliche Gelände, und eine unbändige Sehnsucht dort zu sein, erfaßte ihn. Unwillkürlich packte er die Hände der Geschwister und so saßen die drei Heimatgenossen still in der fremden, belagerten Stadt zusammen, bis Anthoine ihrer Sehnsucht wieder Ausdruck gab: »Wenn wir jetzt durch den Wald reiten könnten!«

»Ja, am Rabenhof vorbei, wo mag der Niklas sein? Und Jeannettchen, wie geht es ihr?«

»Sie ist Heinrich von Dracksdorfs Frau?«