Wieder verging eine Nacht, wieder dämmerte ein Tag draußen aus dem Dunkel herauf.

Adrian kam. Er brachte den Frauen ein kleines, kümmerliches Brot, sagte, Anthoine könne seinen Posten nicht verlassen.

Dann ging er und hatte scheue Augen. Es war aber so, er wußte nicht, wo der Freund war. Er hatte ihn aus den Augen verloren.

Und wieder Nacht und Tag. Noch einmal und noch einmal.

In Louisons Herzen schrie die Sorge um den Bruder, um den Freund, sie waren beide nicht wiedergekommen.

Sie ahnte nicht, daß Adrian den Kameraden suchte. In den überfüllten Spitälern, unter den Haufen Toter und Verwundeter. –

Zwischen der Stadt und dem Heer der Befreier kam es allgemach zum Verkehr. Soldaten drängten in die Gassen hinein, mit Freude, mit tausendfachem Danke begrüßt. Unter denen, die einritten, war auch der Oberst von Hünefeld, zur Begleitung hatte er sich seinen Reitknecht Nikolaus Rabe erkoren.

Der war wieder ganz Kriegsmann, nur im tiefsten Herzen, noch in einsamen Nachtstunden, glimmte die Sehnsucht nach dem Friedenstal. Doch beim Einreiten hatte er keine Heimatgedanken, bis er einen sah, dessen Gesicht ihm bekannt vorkam. »Dunderwetter, das war doch –«

»Junker, Junker!« schrie Nikolaus, und es fehlte nicht viel, so wäre er in seiner Herzensfreude vom Pferde gefallen. Der sich da mühsam kriechend hinschleppte, war Anthoine de Charreard.

Der horchte auf. Herrgott, die Stimme kannte er. Verwirrt sah er sich um. Drei Tage hatte er unter toten Türken gelegen, wo war er nun? Seine Sinne waren verwirrt.