»Louison!« Anthoine de Charreard versuchte sich aufzurichten. »Louison, oh Gott, und die Türken siegen – Louison – ich –« Seine Stimme kreischte wieder.

Dann waren Bewußtsein und Kraft weg, im Fieber lag der Junker und im Fieber wirrten sich Worte und Bilder zusammen. Heimat und Freunde, von allem redete er; aber immer wieder rief er klagend der Schwester Namen.

»Schätze, die ist hier,« sagte Nikolaus, »er hat Angst, sie wär den Türken in die Hände gefallen. Ei, du heiliges Dunderwetter, das wär eine Bescherung! Ich muß aber gehen und sie suchen.«

Dem Obersten von Hünefeld war es recht. Der streckte sich auf den Boden zum Schlafe aus, den Mantelsack unter dem Kopf, sagte, er würde schon mit dem Kranken fertig werden, und dann ging Nikolaus suchen. Er hatte es gesehen, Anthoine de Charreard gehörte zum Besatzungsheer, also suchte er Leute von ihnen auf, fragte, forschte, der vierte endlich gab ihm Bescheid, der deutete mit der Hand hinter sich und knurrte den protestantischen Brandenburger unwirsch an: »Dort steht einer, der weiß was von dem Leutnant de Charreard.«

»Dunderwetter,« schrie Niklas, »das ist ja –« und da drehte der andere sich um und beide schrien sich an, als wären sie stocktaub. Nikolaus hatte Adrian Rudolph gefunden.

Heißa, das gab ein Fragen und Redestehen hin und her. Adrian sagte: »Mitkommen!« und er zog den alten Kinderfreund mit sich durch Gassen und Gäßlein, und wenn der seinen Mund auftat und Louison sagte, dann gab ihm der junge Landsmann einen Stoß und schwieg zu allen Fragen. Er führte Nikolaus in seine Wohnung, dort weinten die beiden Frauen zusammen um den verlorenen Bruder, und auf einmal stand wie aus der Erde gewachsen der Nikolaus mitten im Zimmer und schrie verwundert: »Louison! Wollte sagen Madame de St. Laurent!«

Wieder einer aus der Heimat! Einer, der treu war wie Gold, einer, an den die blasse, junge Frau sich dankbar anschmiegte, als er vom Bruder erzählte, und der berichten konnte, wie er die Eltern verlassen hatte und das stille Tal.

Und noch etwas wußte Nikolaus, etwas, was Erlösung war und das dennoch Louison tief erschütterte. Der Oberst de St. Laurent war tot.

»Gefallen im ehrlichen Kampf, vielleicht doch kein Verräter!« dachte die junge Frau. Und sagte es leise, froh, daß sie dem Toten ein gutes Wort nachreden durfte. Aber des Nikolaus Augen waren zu ehrlich, die konnten nicht lügen, und sie las darinnen, es war anders gewesen. Sie schwieg aber und forschte nicht, nur dem Herrn Adrian erzählte es Nikolaus nachher, man hätte den Oberst als Verräter erschossen, Schande lag auf seinem Namen.

»Und du, Niklas, warum bist du wieder ausgezogen?« fragte Louison nach einer Weile.