„I bewahre, fällt ihm nicht ein! Der fürchtet sich vor dem Herzog und bleibt im Waldhaus bei Meister Friedolin und Mutter Annettchen.“

„Und der Meister Severin?“

„Der lebt auch im Waldhaus. Der hat die schöne Liebetraut geheiratet, Meister Friedolins Pflegetochter. Alle leben sie vergnügt zusammen, und unser Herzog kann das Kasperle nicht fangen.“

Das erschien den Kindern doch seltsam. Ein Herzog, der Landjäger hatte, der konnte doch Kasperle aus dem Waldhaus holen lassen, wenn er wußte, wo er war. Hansjörg fragte darum: „Warum holt er ihn net?“

„Weil das Landhaus im Lande des Fürsten Johann Jakob Joseph Jeremias XXXIX. steht, und das ist unsers Herzogs Feind. Der sagt: ‚Kasperle kann bleiben, wo er ist, der Herzog August Erasmus soll ihn nicht bekommen.‘“

„Und das Michele?“ fragte Minchen Hirsebrei mit feinem Stimmlein. „Hütet das noch die Geißen?“

„Dumm, dumm, dumm!“ Der Kasperlemann schüttelte sich ärgerlich. „Die Geschichte, die ich euch erzählt habe, ist geschehen, als ihr alle noch kaum auf der Welt gewesen seid. Das Michele ist inzwischen groß und stattlich geworden und ein weltberühmter Geiger. Meister Severin hat ihm eine Geige geschenkt, die eine wunderbar zarte Seele hat, und dann hat er ihn unterrichtet. Jetzt reist Michele von Land zu Land, er spielt an Königshöfen und in großen Städten und —“

Da schwieg der Kasperlemann auf einmal und die Kinder brüllten: „Und, und, was ist und?“

„Ach, papperlapapp, das versteht ihr nicht! Jetzt gebt mal eure Pfennige her! Die Geschichte ist aus.“