„Du hast es ausgetrunken,“ sagte seine Base spitz.
„Unsinn!“ Der Herzog war wirklich ärgerlich. „Nimm aus dem linken Faß!“ rief er dem Diener zu. Der zog den Zapfen aus und hielt das Krüglein unter, aber kein Tropfen kam. Das war doch toll! Und beim dritten Faß ging es ebenso.
„Es muß jemand im Keller gewesen sein,“ rief der Herzog. „Schnell, schnell, man bringe Licht, um alles zu untersuchen!“
„Du hast gewiß alles allein ausgetrunken,“ sagte die Prinzessin Gundolfine wieder spitz, und der Herzog ärgerte sich so, daß er ganz grün wurde. Er schrie immer lauter: „Licht her, Licht her!“ und die Diener kamen mit Lampen und Kerzen gerannt. Sogar die Kammerherren trugen Kerzen und alle leuchteten in dem kleinen Keller herum. Plötzlich rief der jüngste Hofjunker, der Augen wie ein Falke hatte: „Hier ist eine Türe.“
„Unsinn, der Keller hat nur eine Türe!“ erwiderte der Herzog, aber da schob das Junkerlein das Pförtchen zurück, und alle sahen erstaunt in einen zweiten Keller hinein. Auf einmal riefen etliche: „In dem Keller hat Kasperle gesteckt.“
„Ja, und dann war er krank und hat immerzu geschlafen.“ Der dicke Oberstallmeister brach plötzlich in ein dröhnendes Lachen aus. „Am Ende hat das Kasperle ein Schwipslein gehabt.“
„Oooh!“ Der Herzog sah drein, als wäre vor ihm ein Kirchturm umgepurzelt. Die Prinzessin aber kreischte: „Dieser schreckliche
Kasper, den muß man aufhängen, in den Brunnen werfen, schlagen, der muß furchtbar bestraft werden!“
„Man hole ihn!“ Der Herzog stöhnte. Wirklich, das Kasperle war doch ein arger Strick, den mußte er wirklich streng bestrafen!
Unter den Dienern war auch Veit, der lief mit, um das Kasperle zu holen. In seinem Herzen dachte er mitleidig: Vielleicht kann er noch entwischen.