Aber ach, du lieber Himmel, keine Bubenbeine, keine Mädelfüße kamen angelaufen! Über den weiten Platz hin tönte das Rufen und Schreien: „Haltet ihn, haltet ihn, fangt den Affen!“
Der sprang von Bude zu Bude, geriet schließlich an die Kletterstange
und kletterte hinauf. Hurra, da wollten gleich zehn Buben ihm nach, aber der Mann neben der Kletterstange wehrte ab. „Gemach, gemach, immer langsam voran! Hansjörg, klettere du zuerst!“
Da kletterte Hansjörg, und als er beinahe oben war, warf ihm der Affe einen oben angebundenen Groschenwecken platsch ins Gesicht.
Da verlor Hansjörg das Gleichgewicht und sauste samt dem Wecken von oben herunter.
Fritze Dünnebein und Klaus Brenner ging es nicht besser. Ein Bube nach dem andern versuchte sein Heil, aber auf einmal besann sich oben das Äfflein und ließ Gottfried Schlippermilch, der vorher sehr wichtig getan und gesagt hatte: „Ich schaff’s schon,“ ziemlich nahe kommen, dann ritsch, ratsch! fuhr es dem Buben in die Haare, daß es dem himmelangst wurde. Er schrie und zappelte, und als ihn das Äffchen los ließ, plumpste er wie ein dicker, reifer runder Apfel von oben herab, mitten in die Zuschauer hinein.
Da lag auf einmal nicht Gottfried allein am Boden, sondern
noch etliche andere auch, sogar der dicke Herr Bürgermeister saß unversehens da. Der schalt weidlich über den Affen und die Buben, aber er wußte auch nicht, wie der Affe herunterzuholen war. Darum sagte er, der Nachtwächter müsse sich unten an die Stange stellen und aufpassen, die ganze Nacht hindurch; wenn der Affe Hunger bekäme, würde er schon herabkommen.
Das fanden alle sehr gescheit. Einstweilen blieben freilich noch die Kinder an der Stange stehen und warteten, bis ihnen ihre Mäglein knurrten, als säße in jedem ein hungriger Wolf. Da rannten sie geschwinde heim. Der Kasperlemann ließ wieder seine Klingel ertönen, aber die Pfennige blieben alle in den Kindertaschen stecken. Es war schon schlimm. Und dabei ahnte der Kasperlemann nicht einmal, daß die Kinder von seiner schönen Geschichte sagten: „Sie ist ja gar nicht wahr! Er hat uns nur etwas vorgeflunkert; ein lebendiges Kasperle das gibt es ja gar nicht!“