Nur Agathchen Morgenschön lief zur Bude hin und wollte ihren Pfennig abgeben, aber da hatte schwuppdewupp der Kasperlemann gerade zugeschlossen. Ganz bitterböse war er und dachte: Daran ist nur das unnütze lebendige Kasperle schuld! Na, wenn ich das erst fange!
Es gab nämlich wirklich ein richtiges lebendiges Kasperle, und der Kasperlemann hatte den Kindern eine wahre Geschichte erzählt. Wenn sie es auch nicht glaubten, wahr war die Geschichte doch.
Zweites Kapitel
Bei den Waldhausleuten
In Wutzelheim schien den Kindern an diesem Abend allen der Mond auf die Näslein. Er stand nämlich voll und rund am dunkelblauen Nachthimmel. Der gute Mond sah aber noch mehr als die Kinder von Wutzelheim in ihren Betten liegen, die ihre Arme, Beinchen und Nasen aus ihren weißen oder rotkarierten Federnesten heraussteckten, der gute Mond sah auch auf eine grüne blühende Waldwiese nieder. Und auf die schaute er mit besonderer Lust herab, denn was er da sah und hörte, gefiel ihm besonders wohl.
Ein Stückchen von der Grenze des Landes entfernt, in dem Herzog August Erasmus regierte, lag ein Häuschen im Walde, vor dem breitete sich eine Wiese aus und ringsum standen riesenhohe, uralte Tannen. In dem Häuschen aber wohnten der Puppenschnitzer Meister Friedolin und seine Frau Annettchen, sowie seine Tochter Liebetraut mit ihrem Mann, dem Meister Severin. Es war alles so, wie es der Kasperlemann in Wutzelheim erzählt hatte.
An diesem Abend saßen die Bewohner des Waldhauses alle still auf der Wiese, sogar die Kinder der schönen Frau Liebetraut, das Zwillingspärchen Rose und Marie, waren noch auf. Die waren erst vier Jahre alt. Herr Severin und Frau Liebetraut hatten schon ganz traurig gedacht, sie bekämen keine Kinder, da hatte ihnen Gott doch noch die lieblichen Mädelchen geschenkt. Sie lauschten alle ganz still, denn an eine Tanne gelehnt stand da Michele und spielte Geige. Neben ihm aber hockte Kasperle, das richtige, lebendige Kasperle.
Michele war kein kleines Büble mehr wie einst, als ihn Herr Severin mitgenommen hatte, er war ein großer, schöner Jüngling. In der Welt draußen nannten sie ihn den berühmten Geiger Michael. Daheim im Waldhaus, denn das Waldhaus war auch seine Heimat geworden, war er aber für alle noch das Michele.
Wenn Michele draußen in der Welt in Königsschlössern und Festsälen gespielt hatte und heimkehrte ins Waldhaus, dann galt sein erster Gruß dem Kasperle, denn das lief ihm jedesmal schon weit entgegen.
Kasperle war noch immer ein kleiner wilder Unnütz, und manchmal, wenn Michele wieder ein Stück gewachsen war, dann grämte er sich wohl über sein Kleinbleiben. Doch Michele lachte ihn aus und sagte neckend: