„Ob groß, ob klein,
Mein Freund mußt du sein.“
Kasperle antwortete dann stets:
„Bleib ich auch ein kleiner Wicht,
Mein Michele vergess’ ich nicht.“
Und wenn Kasperle noch so toll und übermütig war, sobald das Michele auf seiner Geige spielte, dann wurde er muckstill und saß da wie in einer Kirche.
Aber Michele spielte auch wunderschön! Herr Severin, der doch ein großer Meister und Micheles Lehrer war, sagte: „Er spielt, wie der Wald rauscht, der Bach plätschert, die Vögel singen; so wie er spielt keiner jetzt auf der Welt.“
Und in dieser hellen Mondnacht spielte Michele schöner als je. Am Nachmittag war er heimgekommen, und das Kasperle war ihm wie immer entgegengesprungen. Aber gleich hatte Kasperle gemerkt, dem Freunde fehlte etwas. Und als Michele jetzt spielte, da dachte das unnütze, törichte Kasperle: „Ach, des Michele Herz weint!“
„So hat er noch nie gespielt,“ sagte Herr Severin leise zu seiner schönen Frau Liebetraut.
Der flossen die Tränen in den Schoß. Leise rannen sie wie Regentropfen herab. Ach, dachte sie wie Kasperle, des Michele Herz weint ja!
Die Bäume rauschten nicht mehr, die Vögel, die vorher noch gezwitschert und getschilpt hatten, schwiegen. Ein paar Rehe traten aus dem Walddunkel heraus, alles lauschte dem Spiel des Michele.