Kasperle dachte: Er ist doch nicht gut. Schlimm waren ja die beiden, aber da sie nun so baten und ihre Tat so bereuten, sollte der Herzog doch nicht so streng sein. Und plötzlich fiel Kasperle etwas ein. Er hob seine Nase aus der Zuckertüte heraus, schluckte rasch noch ein Stück hinab, schnitt dabei ein so furchtbares Gesicht, daß der Kasperlemann dachte: O weh, jetzt klagt mich Kasperle auch noch an!

Der aber sagte: „Herr Herzog, du hast mir was versprochen; jetzt weiß ich, was ich mir wünsche.“

„Gewiß noch eine Zuckertüte, deine ist bald leer,“ sagte der Herzog. „Kasperle, du wirst noch Bauchweh bekommen!“

„Nä,“ rief Kasperle vergnügt. Er deutete mit dem Fingerlein auf die beiden Diebe. „Gib die frei, Herr Herzog!“ bettelte er.

„Was, Kasperle, du bittest für den Kasperlemann?“ rief der Herzog erstaunt. „Der hat dich doch immerzu verfolgt!“

„Ach!“ Kasperle stopfte einen Schokoladekringel in den Mund, kaute mit vollen Backen und schnatterte vergnügt: „‚Man muß vergessen und vergeben können,‘ hat immer Liebetraut gesagt; ich bin nicht mehr böse, nä.“

Der Herzog schämte sich ordentlich ein bißchen über seine Härte. „Na, meinetwegen,“ brummelte er, „die beiden mögen frei sein,

frei, weil Kasperle darum gebeten hat. Aber weißt du auch, Kasperle, daß du nun keine Bitte mehr frei hast?“

Kasperle grinste vergnügt und steckte ein großes rotes Zuckerherz in den Mund; schluck, schluck, da war es hinunter.

„Aber Kasperle, du bist ein Vielfraß!“ rief der Herzog erschrocken.