„So ’n bißchen,“ rief Kasperle und schwenkte die riesengroße Zuckertüte hin und her. Und plötzlich schrie er laut: „Hurra, sie sind frei, frei, frei!“ Er brüllte so entsetzlich, daß der Herzog sich die Ohren zuhielt. „Geht, geht hinaus!“ rief er, „und, Kasperle, iß du lieber weiter von deiner Zuckertüte, als so mörderlich zu schrein.“
Der Kasperlemann und Klaus dankten dem Herzog nochmals, und als sie hinausgingen, flüsterten sie beide: „Kasperle, die Guttat vergessen wir dir unser Lebenlang nicht!“
Kasperle aber fraß vergnügt weiter aus seiner Zuckertüte, vergnügt kletterte er dann zu seinem neuen Freund Veit in einen Wagen, und der erzählte ihm: „Kasperle, die Hüte und Hauben der Prinzessin sehen aber arg wüst aus! Na, das wird ein Geschimpfe geben! Gut, daß wir es nicht hören. Du bist doch aber ein rechter Schelm!“ — Hü, hott! Los ging die Reise, die Landstraße entlang, dann kam ein Waldweg, ein Fluß, und als sie über dessen Brücke kamen, standen da etliche Reisewagen; die Prinzessin Gundolfine stieg hier aus.
Kasperle sah, wie das Gepäck ausgeladen wurde, er sah auch die riesengroße Hutschachtel, und er sah, wie die Prinzessin sie mißtrauisch musterte. „Der Deckel ist aufgewesen,“ rief sie, „der sieht kaputt aus.“
„Ach, Unsinn!“ brummte der Herzog. „Bringt Kasperle in meinen Wagen! Und dann weiter, ich habe keine Zeit mehr.“
Kasperle huschte flink in des Herzogs Wagen, die Pferde zogen an, und just in dem Augenblick sah Kasperle, wie die Prinzessin in ihre Hutschachtel hineinschaute. Die kreischte laut auf, denn innen
war nur ein zerdrücktes Gewühl und Durcheinander, und mitten auf dem besten Sonntagshut, der ganz verbogen war, lag noch eine angebissene Butterschnitte.
Die Prinzessin rang die Hände und drohte wütend den davonrollenden Wagen nach. Der Herzog sah es nicht, aber Kasperle sah es, und er brach in ein so unbändiges Lachen aus, daß selbst der grillige Herzog mitlachen mußte. Er mußte sich zuletzt den Bauch halten vor Lachen, und er dachte: Es ist doch gut, daß ich das Kasperle habe, das wird mir sicher immer meine böse Laune vertreiben.
Achtes Kapitel
Die erste Nacht auf Burg Himmelhoch
Da saß nun Kasperle in des Herzogs Wagen und reiste nach Burg Himmelhoch. Dort wohnte der Herzog immer den Sommer über. Der Weg ging stetig aufwärts, und auf einmal tauchte auf luftiger Höhe ein großes, helles Schloß auf; seine Fenster glänzten in der Nachmittagssonne und bunte Fahnen flatterten von seinen Türmen herab.