Kasperle vergaß in diesem Augenblick sogar seine Sehnsucht nach dem Waldhaus, so gut gefiel ihm das Schloß. Er steckte seinen Kopf zum Wagenfenster hinaus, weit, immer weiter, und der Herzog wollte gerade sagen: „Kasperle, fall nicht heraus!“ Da lag Kasperle schon. Pardauz! mitten zwischen ein Trüpplein Kinder fiel er, die sich neugierig aufgestellt hatten, um den Herzog zu sehen.
Erschrocken stoben die auseinander, aber kaum hatten sie in das putzige Kasperlegesicht geblickt, da kamen sie alle zurück und erhoben einen ungeheuren Lärm. Der Herzog dachte nicht anders,
als Kasperle habe sich wer weiß was gebrochen; daß ein Kasperle sehr viel hinpurzeln kann, ohne sich Schaden zu tun, ahnte er nicht. Er rief aufgeregt: „Kasperle ist verunglückt, helft, helft!“ Und der Wagen hielt, Diener sprangen herzu. Das Kasperle aber stand putzmunter auf, schüttelte sich und schnitt so blitzdumme Gesichter, daß die Kinder vor Lachen beinahe auseinander platzten.
Dies ärgerte den Herzog August Erasmus sehr. Er konnte solches Gelärme nicht leiden. Auch wollte er, Kasperle sollte ihm allein etwas vorkaspern; er war der Herr, Kasperle sein Diener. „Steig ein!“ befahl er streng, und vor seinem bösen Gesicht entflohen die Kinder scheu. Ganz ängstlich sahen sie dem Wagen nach, aber da auf einmal steckte wieder Kasperle den Kopf zum Fenster heraus, grinste, schnitt erst sein Räubergesicht, sah dann wie die Prinzessin Gundolfine aus, und jäh ertönte wieder das jauchzende Lachen der Kinder.
Da nahm der Herzog seinen Stock und gab Kasperle eins auf die Nase. Es krachte ordentlich, und Kasperle sank in die Wagenecke und brach wieder in sein beliebtes Heulen aus. Doch da hatte er kein Glück damit bei dem Herzog. Der liebte alles, was laut war, nicht, und er hieb einfach mit seinem Stock auf Kasperle ein, bis er muckstill war. Nur ganz, ganz leise heulte er vor sich hin, seine Nase, sein Rücken, alles tat ihm weh, und die schöne Burg, der sie nun nahe waren, gefiel ihm gar nicht mehr.
Der Herzog war ein grilliger Herr. Kasperles Geheule hatte ihm seine Laune gründlich verdorben, und er gab Befehl, den armen Schelm in eine vergitterte Kammer zu sperren. Die lag im Erdgeschoß und stammte noch aus der Zeit, da das erste Schloß auf dem Platze gestanden hatte. Das war einmal niedergebrannt und in einer Zeit, da die Menschen das Heitere, Helle liebten, neu aufgebaut worden.
Die Kammern unten waren düster und kühl, und das arme Kasperle hätte es recht schlimm gehabt, wenn nicht der Diener Veit gewesen wäre. Der sorgte für den kleinen Burschen, brachte ihm ein Bett in die Kammer und Essen genug. Und dann kam er zu ihm, ein anderer folgte, und als oben der Herzog verdrießlich in seinem Bette lag und der Haushofmeister in seinem Zimmer Tee trank, saßen in Kasperles Kammer ein paar Diener und Kammermädchen, und der Kleine hockte auf dem Tisch und kasperte ihnen etwas vor. War das lustig!
Das Lachen dröhnte durch den kleinen Raum und tönte zu dem Fensterchen hinaus; über dem, im ersten Stock, aber hatte der Herzog sein Zimmer. Der lag da satt und mißmutig; er hatte gerade die Augen geschlossen, als von unten herauf das Lachen ertönte.
Was war denn das? Der Herzog richtete sich auf und lauschte. Es lachte und lachte. Das war doch zu toll! Wütend riß er an seiner Klingel, und sein erster Kammerdiener fiel beinahe in das