„Ach, da haben wir’s! Eingesperrt in einem dunklen Keller —
nein, das verträgt kein Kasperle,“ rief der Leibarzt. Er war froh, etwas sagen zu können, und weil er auch fand, der Herzog sei zu streng mit dem kleinen Schelm gewesen, schüttelte er immer wieder ernsthaft den Kopf. „Schlimm, schlimm, schlimm!“ murmelte er, „sehr schlimm!“ Er verordnete, Kasperle müsse im Bett liegen und kalte Umschläge bekommen, und immer solle jemand neben ihm sitzen, damit, wenn er aufwache, er gleich ordentlich geschüttelt werden könne.
„Alles soll geschehen, nur machen Sie mir mein Kasperle wieder gesund,“ rief der Herzog.
„Ja, das geht nicht so schnell!“ Der Leibarzt runzelte die Stirne, wiegte wieder den Kopf hin und her und sagte wieder: „Schlimm, schlimm, sehr schlimm!“
Kasperle wurde nun in sein Bett getragen, und eine ganze Stunde saß der Herzog neben seinem Bett. Und Kasperle schnarchte, stöhnte, ein paarmal murmelte er auch etwas im Schlaf, und jedesmal dachte der Herzog: Jetzt wacht er auf. Und er neigte sich über ihn und fragte zärtlich: „Bist du munter, mein Kasperle?“
Und weil der nicht aufwachte, ließ er wieder den Leibarzt holen, und gerade da fing Kasperle an zu brummeln und zu murmeln, und als sich der Herzog über ihn beugte und sanft fragte: „Mein Kasperle, was fehlt dir denn?“ griff Kasperle plötzlich nach des Herzogs Nase und schrie: „Hallo, hallo, Michele, der Kasperlemann! Hallo, hallo!“
Und dabei zerrte und zog Kasperle an des Herzogs Nase, als wäre dies eine Klingelschnur. Zipp zapp, zipp zapp! Dem Herzog verging Hören und Sehen. Er brüllte laut und suchte sich zu befreien, die andern halfen, und da schlug Kasperle auf einmal seine Augen auf, gähnte erschrecklich, klappte die Augen wieder zu und schnarchte rissel, rassel weiter.
„Oooh!“ rief der Herzog und hielt sich seine Nase. Kasperle hatte schon einen festen Griff und die Nase war feuerrot geworden.
„Eine sehr böse Krankheit! Er hat Fieber.“ Der Leibarzt schüttelte wieder den Kopf und sah wieder höchst besorgt drein. „Ruhe, Ruhe!“ sagte er.
Und dann gingen alle. Der Herzog hielt sich seine Nase und der Leibarzt sagte, er müsse kalte Umschläge machen. Der Herzog war böse und traurig zugleich. Das Nasenanfassen und daß Kasperle ihn Kasperlemann genannt hatte, war verdrießlich. Aber freilich, Kasperle war krank, und wer weiß, ob es jemals wieder aufwachte!