„Bim — bam, bim — bam!“ Das Läuten oben wurde schwächer, aber Kasperle hörte noch immer die Eulen oben kreischen und flattern. Wohin sollte er fliehen? Auf dem Turm waren die Eulen, die hackten ihm wohl gar die Augen aus; unten standen die Dorfleute, wehe wenn die ihn erwischten! Er hörte jemand rufen: „Da kommt der Küster, nun aufgepaßt, jetzt müssen wir den Kasper fangen!“
Es war wieder die Base Mummeline, die so rief, und das Kasperle sah sich ganz verzagt um. Wohin sollte er denn nur fliehen? Da sah er plötzlich neben sich eine lange Stange stehen, und — ein ganz unnützer Gedanke kam dem Kasperle.
Der Schlüssel knirschte im Schloß, die Türe ging auf. „Uje, ist’s hier aber dunkel! Holt flink ein paar Laternen!“ rief jemand. Und dann gab es einen Plumps,
ein lauter Schrei erklang, die Base Mummeline war über die Stange gefallen, die Kasperle quer vor die Türe hielt.
„Au, Donnerwetter!“ Da lag der dicke Schulze.
„Himmel, Hagel, was ist das!“ Der eine Landjäger fiel dem Schulzen nach, und der Schneidermeister Pimperling quiekte: „Potz Hosenknopf und Ellenmaß, hier spukt’s!“
„Ich werde totgedrückt!“ kreischte die Base Mummeline.
„Laternen her, Laternen her!“ Einer nach dem andern fiel in den Vorraum hinein, und in diesem allgemeinen Gepurzele, in dem lauten Lärm gelang es Kasperle, sich sacht an der Wand hin ins Freie hinauszuschleichen. Er drückte sich ganz eng an die Mauer an und wutschte um den Turm herum, und er war gerade auf der andern Seite angelangt, als etliche Leute mit Laternen daherkamen. Das ganze Dorf versammelte sich am Turm, mit den Laternen wurden die hingepurzelten Leute beleuchtet, und alle riefen: „Das ist ein Streich von Kasper.“
„Man muß den ganzen Turm absuchen,“ sagte der Schulze, der sich stöhnend aufgerichtet hatte, und die Base kreischte: „Der darf uns nicht entwischen, dieser heillose Bösewicht!“
Der Schneidermeister Pimperling, der sehr klein, dünn und mutig war, erbot sich, auf den Turm zu steigen. Er nahm einen alten Nachtwächterspieß und