„Ja, ja,“ rief der Graf aufgeregt, „so wird es sein! Sicher steckt dieser Unhold hier irgendwo im Schloß.“
Aber der Herzog meinte doch, dies sei nicht gut möglich, beinahe möchte er an ein Gespenst glauben.
„Mit Verlaub,“ sagte da der Haushofmeister, der eben eingetreten war, „ein Gespenst frißt doch nicht die Räucherkammer beinahe leer! So etwas habe ich noch nie von einem Gespenst gehört.“
Da riefen alle, nein, das hätten sie auch noch nicht gehört, und so etwas wäre dem Kasperle schon eher zuzutrauen. Und als der Haushofmeister nun erzählte, wie viele Würste in der Räucherkammer fehlten, da befahl der Herzog streng: „Man muß suchen, auf dem Boden, in den Kellern, überall, auch in den Schornsteinen, und wer das Kasperle findet, dem gebe ich einen hohen Orden. Er wird auch Graf, wenn er das nämlich nicht schon ist. Das Kasperle, den Unhold, will ich aber streng bestrafen, wehe ihm!“
Sie redeten alle so viel durcheinander, wo wohl der kleine Unhold stecken könnte, daß niemand den tiefen Seufzer vernahm, den Kasperle ausstieß. Ach, es war schon schlimm! Er war gefangen, wurde verfolgt, und wer weiß, wie übel es ihm erging, wenn er entdeckt wurde! Als alle drinnen in des Herzogs Zimmer laut redeten, legte sich Kasperle müde auf den Fußboden nieder, vielleicht konnte er seine Angst verschlafen. Und Kasperle schlief wirklich ein, und im Schloß schliefen nach und nach auch alle ein. Sie
hatten sich müde gesucht, und schließlich sagten sie: „Es ist sicher ein Gespenst, ja, und Gespenster findet man nicht.“
Selbst der Herzog war eingeschlafen in seinem schönen Bett, um das Kasperle ihn sehr beneidete. Der Kleine wachte aber mitten in der Nacht auf, der Mond schien ihm gerade auf das Gesicht. Ganz wunderlich war es. Hinter dem runden Fensterloch stand noch schief, aber glänzend der Mond und erleuchtete die winzige Kammer. Ach, dachte Kasperle, wäre ich doch jetzt auf der Waldwiese! Und weil er sich sehr arm und verlassen vorkam, seufzte er recht tief und vernehmlich.
„Johann,“ schrie nebenan der Herzog, „hörst du, es hat geseufzt!“
„Jawohl, es hat geseufzt,“ antwortete der Diener verschlafen. „Es ist doch ein Gespenst!“
Das kam Kasperle spaßig vor, daß er nun wieder ein Gespenst sein sollte. Er seufzte noch einmal und noch einmal, und da schrie drinnen der Herzog, man solle flink alles ableuchten, um zu sehen, was da seufze. Flugs schwieg Kasperle wieder, weil aufs neue das halbe Schloß lebendig wurde. Diener kamen, der Haushofmeister kam, Kammerherren rannten herbei, und alle lauschten auf das Seufzen. Aber Kasperle war muckstill, da wurde es auch drüben still, alle gingen wieder zu Bett.