Der Herzog war gerade wieder eingeschlafen, als das Geseufze wieder anfing. „Das Gespenst seufzt wieder!“
Der Herzog schrie, der Diener schrie, und wieder rannten alle herbei, horchten und hörten doch nichts. Kasperle zappelte vor Vergnügen, und bums! klirrte und dröhnte die alte Kiste, an die er gestoßen war.
„Das Gespenst, das Gespenst!“ Nebenan redeten viele Stimmen durcheinander, und Kasperle verhielt sich nun ganz still, denn auf einmal sagte jemand, man müsse die Wände morgen abklopfen; vielleicht sei einmal jemand eingemauert worden, und der geistere nun herum.
„Das ist recht,“ antwortete der Herzog, „man soll morgen gleich den Hofbaumeister holen.“
O weh! Da verging dem Kasperle wieder der Übermut. Wenn der Hofbaumeister die Wände abklopfte, fand er sicher die geheime Türe, und man entdeckte ihn, das Kasperle. Er wurde muckstill, und nichts störte fortan den Herzog mehr. Dabei schlief Kasperle nicht einmal. Der dachte an die Flucht, und er beschloß, morgen doch die Treppe hinabzusteigen, vielleicht fand er da einen Ausgang.
Als die Sonne aufging und Licht durch das grüne Fensterloch in das Kämmerchen floß, rüstete sich Kasperle zur Flucht. Seinen letzten Wurstzipfel nahm er mit und den Geldsack aus der Truhe. Das raschelte und klirrte wieder, und der arme Herzog nebenan erwachte von dem Geräusch. Weil dann aber alles still blieb, dachte er, er habe geträumt. Er klingelte nach seiner Morgenschokolade. Das hörte Kasperle noch, als er
das schmale Trepplein in die Tiefe hinabstieg. Ach lieber Himmel, er hätte auch lieber Schokolade getrunken, als in die Finsternis zu steigen! Er tastete sich den schmalen Gang entlang, in den die Treppe mündete; feucht und kühl war es, und ein paarmal huschte etwas vor dem erschrockenen Kasperle vorbei, es mochten Ratten sein. Kasperle ächzte vor Angst, dumpf dröhnte das Echo wieder, und in der Küche ließ just in dem Augenblick die Köchin des Herzogs die Morgenschokolade fallen. „O du meine Güte,“ schrie sie, „nun geistert es hier auch, hört nur!“
Alle Küchenjungen und Küchenmägde hatten das Geächze vernommen, denn Kasperle war gerade unter der Küche hinweg gewandert. Endlos schien der Gang zu sein, er ging weiter und weiter, aber auf einmal sah Kasperle es in der Ferne hell werden. Nun rannte er, so schnell er mit dem Geldsäcklein vorwärts kam, plötzlich sah er dicht vor sich dichtes, dichtes Gebüsch. Er kroch hindurch, da stand er im Wald, und nicht weit davon lag das Schloß. Kasperle wollte weiterrennen, denn er dachte an die Wächter, die das Schloß bewachten, doch da hüpfte und sprang es um ihn herum, und neben ihm schrie Michele: „Endlich kommst du, endlich!“
Kasperle hielt nicht an. Er packte Micheles Hand und zog ihn mit fort, die Geißen folgten, und erst als alle weit drinnen im Walde waren, begann Kasperle seine Abenteuer zu erzählen. „Da,“ sagte er stolz und
hielt Michele den Geldbeutel hin, „den habe ich dir mitgebracht.“