„Unter — unter Heines Bett,“ kam ängstlich die Antwort.

„Ach so, und der gute Heine hat geschlafen und ist von eurem Geblase aufgewacht und hat gedacht es brennt,“ sagte der Meister verständnisvoll.

„Pfui, ihr abscheulichen Jungens,“ schrie Heine und stürzte mit seiner Bettdecke und seinem Kopfkissen davon; er fing plötzlich an, sich mächtig zu schämen, da er nun erst recht zur Besinnung kam.

„Das ist meiner Seele eine höchst kuriose Geschichte, ich glaube, die kommt in den Anzeiger!“ sagte der dicke Brandmeister. „Übrigens muß Herr Heine gewiß noch Strafe für unbefugtes Alarmieren der Feuerwehr zahlen! Empfehle mich den Herrschaften.“ Herr Schulze ging davon, bald rasselte die Feuerwehr durch die Marienstraße, oben in seinem Zimmer kroch Heine wütend in sein Bett, die Damen kehrten an ihren Kaffeetisch zurück — und die Buben?

Ach, die Buben! Schläge gab es freilich nicht, aber viel Kummer kam über beide. Severin spielte nicht mehr auf seiner Okarina, denn die verschwand für einige Zeit in des Vaters Schrank. Und der Bube dachte manchmal seufzend: „Hätte ich meine dreiundachtzig Pfennige noch, dann könnte ich mir dies oder jenes kaufen!“ Drei Tage Katzentisch gab es auch, und am Katzentisch gibt es bekanntlich keine Leckerbissen. Das allerschlimmste aber war, die Geschichte kam wirklich in den Neustädter Anzeiger für Stadt und Umgebung.

Wendelin und Severin wären am liebsten vor lauter Schämen im Bett geblieben, so wenig sie auch sonst für Kranksein schwärmten. Auch in ein Mauseloch wären sie himmelgern gekrochen, nur gerade in die Schule zu gehen, dazu hatten sie recht wenig Lust. Aber sie mußten hinein, mußten alle Fragen und alle Neckereien aushalten, es zeigte sich hierbei wieder, daß gute Freunde schon etwas wert sind. Jörgel stand tapfer zu den beiden, auch Fritz Brinkmann hielt zu ihnen, und ebenso Brigittchen und Anne-Marte. Das sanfte Brigittchen wurde ganz kampfbereit, wenn jemand etwas gegen die beiden Freunde sagte.

Freilich sprach ganz Neustadt von den Bäckerbuben und von Heine mit dem Bettuch und dem Kopfkissen. Es ist nun aber eine alte Geschichte, daß gemeinsames Leid verbündet, und Heine, der erst fuchswild über den Streich gewesen war, den die beiden ihm gespielt hatten, fand nun, es sei gar nicht so schlimm gewesen wie die Leute die Geschichte machten. Aus lauter Ärger darüber söhnte er sich mit den Buben aus; es wurde wieder eine ganz dicke Freundschaft. Als die Grünwarenhändlerin Lehmann einmal sagte: „Sie haben mir recht leid getan, Herr Heine, die Bengels drüben sind auch recht schlimm,“ da brummte er: „Sie haben eben immer was an den Buben zu tadeln, Madame Lehmann, es soll jeder vor seiner eigenen Türe kehren, die Buben sind besser als Ihre alten Holzäpfel, die sie mir vor etlichen Wochen verkauft haben!“

Klaus Hippel aber sagte, es sei der beste Spaß seit langer Zeit gewesen, und weil der Pantoffelmacher lachte, lachten die Buben zuletzt auch. Da hörten bald die Neckereien auf, das ist mal so, wer mitlacht fährt am besten. Am heitersten aber lachte Jantge über die Geschichte, denn Severin ging das nächste Mal doch mit in die Fröhliche Einkehr, dort söhnte er sich mit Jantge und Karl aus und gab es auf, eifersüchtig zu sein.

Es kommt ja doch nichts dabei heraus.