Im Stadtwald, auf den Promenaden lagen entwurzelte Bäumchen und Haufen niedergebrochener Äste.

„Da könnte man gut Reisig sammeln, meine Holzkammer ist ohnehin leer,“ sagte Frau Paulinchen betrübt, als Brigittchen, Anne-Marte, Jörgel und die beiden Bäckerbuben ihr am Nachmittag erzählten, wie es draußen aussah. Die Kinder waren gekommen, um zu fragen, ob der Turm bei dem Sturm geschwankt hätte; Jörgel hatte nämlich gesagt, dies könnte wohl sein.

„Natürlich hat er geschwankt, wie ein Baum, hin und her!“ sagte Klaus Hippel, der fast beleidigt war, daß seinem Turm so wenig zugetraut wurde.

Die Kinder bedauerten einstimmig, daß sie nicht dabei gewesen wären, aber Mutter Paulinchen sagte, es wäre sehr unheimlich gewesen. Dann seufzte sie wieder: „Ach könnte ich doch heute ordentlich Reisig suchen gehen, aber mein Fuß ist zu schlimm!“

„Und ich muß die Pantoffeln hier heute noch liefern,“ brummte Klaus Hippel. „Schade, heute ist gerade Freiholztag!“

„Wir wollen Reisig suchen,“ rief Anne-Marte vergnügt. „Ja,“ stimmten Jörgel, Brigittchen und Severin freudig ein, nur Wendelin war von dem Plan nicht sehr entzückt.

„Na, du mit deinem weißen Kleid, Brigittchen, da möchte deine Tante schön schelten!“ meinte Mutter Paulinchen bedenklich. „Ach, ich laufe fix zu Frida Müller, die borgt mir eine Schürze,“ sagte Brigittchen, „dann holen wir Holz, deinen ganzen Stall voll.“

Schwupps, war die Kleine auch schon zur Türe hinaus, und Anne-Marte folgte ihr. Frida Müller war die Tochter einer Waschfrau, sie war in gleichem Alter mit Brigittchen und Anne-Marte. Ihre Mutter wusch bei Fabians und bei Schöns, und Frida holte sie manchmal ab und spielte dann mit den Freundinnen, die Frida beide sehr nett fanden. Die Waschfrau Müller wohnte in der Turmgasse, die dicht am alten Stadtturm lag, es war also kein weiter Weg, den die Mädels zurückzulegen hatten. Und Frida war daheim und sehr bereit, zu helfen. Sie holte rasch einen blauen Rock und eine Schürze herbei, ja ein Kopftuch holte sie auch, weil Brigittchen ihren weißen Staatshut aufhatte, und statt der feinen, braunen Schuhchen zog diese ein Paar von Fridas Alltagsschuhen an.

Bald war die Kleine in ein richtiges Holzmädel umgewandelt, auch Anne-Marte bekam eine blaue Schürze und ein Kopftuch, und Frida Müller sagte noch: „Es kann alles schmutzig werden, es geht zu waschen.“ Kichernd vor Vergnügen kamen nach einem Weilchen beide in den Turm zurück.

„Potzhundert, ihr seht aber schmuck aus!“ rief Meister Hippel lachend, „nun bin ich nur neugierig, wie viel Reisig ihr anbringen werdet!“