„Sieh da, dort ist das Dach, das ist schon unser Haus!“ rief der Bruder, und die Schwester blieb stehen, und beide sahen so eifrig auf das Stückchen Dach, daß sie fast den schüchternen Gruß überhörten, den ein kleines, weißgekleidetes Mädchen ihnen bot.
„Das ist ja Brigittchen!“ rief Doktor Fröhlich und gab der Kleinen die Hand.
„Da sieh, Lene, wir beide hier sind schon recht gute Freunde miteinander, nicht wahr, Brigittchen?“
Die Kleine nickte, sie reichte der fremden Dame etwas zaghaft ihr Händchen, und Helene Fröhlich beugte sich liebreich zu dem Kinde herab und schaute in die Veilchenaugen, die heute so bitterernst dreinschauten.
„Aber Kind, du machst ja keine Weihnachtsaugen,“ rief Helene, „freust du dich nicht auf Weihnachten?“
„Nein,“ flüsterte Brigittchen scheu und senkte den Blick, dann huschte sie eilig davon.
„Warum ist die Kleine so traurig?“ fragte Helene, aber ihr Bruder konnte ihr darauf keine Antwort geben. „Da mußt du Dorothee fragen, die weiß es vielleicht,“ sagte er.
Dazu kam Helene Fröhlich zwar nicht so bald; sie wurde von der alten Magd mit so viel herzlicher Freude und so heißem Kaffee begrüßt, und mußte gleich das Haus von oben bis unten ansehen, daß sie zuerst gar nicht recht zur Besinnung kam.
„Hier ist die Bibliothek,“ sagte der Bruder.
„Dort nach dem Garten hinaus liegt Fräuleins Zimmer,“ rief Dorothee, „und hier ist der Kaffeetisch gedeckt“.